„Sie wollen unseren Wald zerstören“

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Am 24. Juni war der Ayoreo-Anführer Carlos Diri Etacore anwesend bei der London Climate Action Week (LCAW, laut englischer Abkürzung) im Rahmen des Rights & Nature Hub, organisiert von If Not Us Then Who, mit der Teilnahme der Iniciativa Amotocodie. Seine Reflexionen über sein Territorium, Erinnerung und Resilienz fanden nach der Vorführung des Dokumentarfilms von Jaye Renold „Tejiendo Eami“ statt.

Im Folgenden geben wir seine vollständige Rede wieder.

Guten Tag, mein Name ist Carlos Diri Etacore aus Paraguay, und meine Gemeinschaft heißt Ijnapui, was „Palmenhain“ bedeutet. Ich werde mit Ihnen die Situation teilen, die wir heute erleben, und die Bedrohung, der wir als Gemeinschaft gegenüberstehen.

In dem Gebiet, in dem ich lebe, gibt es etwa 17 Ayoreo-Gemeinschaften, und alle durchleben dieselbe Problematik. Es ist eine besorgniserregende Situation, und wir fühlen uns von unserer eigenen Regierung bedroht, weil alle Gesetze von ihr ausgehen. Wir haben stets unsere Sorge geäußert und um Respekt gebeten. Respekt ist etwas, das jeden Menschen verteidigen kann, unabhängig von seiner Situation. Deshalb bitten wir darum, dass jeder von seinem Platz aus uns respektiert und dieses Prinzip einhält. Ich sage es immer: Respekt hilft nicht nur uns als Indigene, sondern kann auch allen anderen zugutekommen.

Die konkrete Bedrohung, der wir gegenüberstehen, ist, dass sie unseren Wald zerstören wollen. Für uns ist der Wald unser Markt, aber auch unser Krankenhaus, weil wir dort viele Arten von Heilmitteln und Lebensmitteln finden. Wie Sie auf den Bildern gesehen haben, haben wir verschiedene Arten von Caraguatá gezeigt, die wir erhalten wollen, weil es ein Material ist, mit dem die Frauen arbeiten und welche sie ständig nutzen. Deshalb bitten wir darum, dass die Wälder nicht weiter zerstört werden.

Geerntete Caraguatá; Foto: Bernd Wegener

Das ist nicht nur für uns wichtig, sondern auch für unsere Verwandten, die noch in im Wald leben und nicht kontaktiert wurden. Sie ernähren sich von denselben Dingen wie wir: von der Jagd auf Tiere, dem Sammeln von Honig und anderen Ressourcen des Waldes. Was wir wollen, ist, dass unsere Regierung einen Weg findet, diese Zerstörung zu stoppen, weil sie für die Ayoreo und für die Ärmsten lebenswichtig ist.

Eine der beiden großen Bedrohungen, die wir in unserem Land sehen, ist die Vernachlässigung. Nicht nur die Ayoreo, sondern auch die armen Menschen und die Landbevölkerung werden von der Regierung Paraguays nicht mehr betreut. Ich danke für den Raum, den Sie mir gegeben haben, um dies anzusprechen und dass Sie uns zuhören. Das passiert in Paraguay sowohl bei indigenen als auch bei nicht-indigenen Menschen. Wie alle wissen, gibt es Reiche und Arme, und ich glaube, das ist überall so. Das Schlimmste ist, dass wir, die Armen, von den Regierenden verlassen werden. Das ist es, was ich hier klarstellen möchte.

In meiner Region brauchen wir die Unterstützung von Institutionen und Nichtregierungsorganisationen. Ein Beispiel für die Bedrohung, die wir erleben, ist, dass wir Schilder in unserem Gebiet aufstellen, die nicht respektiert werden: Sie werden mit Kugeln zerstört und umgeworfen. Das ist ein klares Zeichen von Aggression, als würde jemand sagen: „Ich werde diese Person zu Fall bringen, damit sie nicht mehr auftaucht.“ Unsere Schilder sind voller Einschusslöcher und umgestoßen. Dieser Mangel an Respekt ist ernst, denn unser Territorium umfasst nicht nur einen Kilometer, sondern erstreckt sich über 350 oder 400 Kilometer.

Deshalb brauchen wir Hilfe aus anderen Ländern, um Transportmittel zu bekommen, mit denen wir unsere Gebiete bereisen und schützen können. Wie ich bereits erwähnt habe, versorgt uns unser Territorium mit verschiedenen Lebensmitteln zum Überleben, dank der Tiere, die dort leben, und auch mit Medikamenten aus verschiedenen Bäumen.

Ich glaube, ich komme zum Ende. Ich möchte Sie einladen, unser Kunsthandwerk kennenzulernen. Wenn jemand etwas zur Gemeinschaft beitragen möchte, ist er willkommen; und wenn Sie nichts beitragen können, lade ich Sie trotzdem ein, in den anderen Raum dort draußen zu gehen. Es gibt viele Dinge, die wir gerne mit Ihnen teilen würden. Ich weiß nicht, ob es weitere Gelegenheiten geben wird, uns wieder zu treffen und weiter zu sprechen.

Ich mag dieses Land (England) sehr, auch wenn es weit weg ist. (Gelächter) Ich möchte noch etwas hinzufügen: Früher hatten indigene Anführer keinen Hausarrest, heute passiert das. Wenn wir etwas brauchen, müssen wir Straßen blockieren, damit die Regierung mit uns spricht, und das wird dann als Bedrohung betrachtet, sodass ein Anführer ins Gefängnis kommt.

Es gibt bereits Fälle von Anführern im Hausarrest, die sich nicht frei bewegen können. Und das ist etwas, das uns zutiefst beunruhigt.

Titelfoto: Carlos Diri Etacore während seiner Rede; Foto: Eli Virkina, von Not Us then Who

Iniciativa Amotocodie, 02. Juli 2016 Übersetzung: Bernd Wegener