Wie an dieser Stelle berichtet, unterstützen wir die Kumaruara bei der Demarkation ihres Territoriums. Die rechtliche Zusprechung indigenen Landes ist der fundamentalste Prozess, der ausschlaggebend für den Fortbestand indigener Völker ist. Mehr als 241 indigene Territorien stehen in Brasilien noch zur Demarkation aus. Doch während der rechtsgerichtete Präsident Jair Bolsonaro an der Macht war, gab es keine einzige weitere Demarkierung, obwohl dies laut brasilianischer Verfassung festgelegt ist.

Da die, seit Bolsonaros Amtszeit dem Landwirtschaftsministerium untergeordnete, Indigenen Behörde FUNAI keine weiteren Demarkierungen zulässt, ist es umso wichtiger, dass NGOs für eine Unterstützung der Indigenen bei ihrem Kampf um Landrechte einspringen. Neben der Homologenisierung der Koordinaten des Territoriums ist eine ausgiebige Dokumentation über den Zustand des Waldes notwendig. Hierfür setzen die Kumaruara auf Drohnentechnologie. Wir haben den Kumaruara hierfür eine Kameradrohne finanziert. Diese wird eingesetzt, um den Zustand des Waldes und weitere Eckdaten zu erfassen.

Durch den Machtwechsel in Brasilien bleibt die Hoffnung, dass die Demarkation der indigenen Gebiete erneut voranschreiten kann und auch bald die Kumaruara am unteren Tapajos ihr angestammtes Land rechtlich verbindlich zugesprochen bekommen.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

„Vorfahren der Zukunft“: Ein Schamane (Pajé) der Kumaruara berichtet über seinen Kampf um das Überleben der Kultur der Kumaruara (Deutsche Untertitel folgen)

Transkription des Videos:

„Jedes indigene Volk hat einen Ursprung und Wurzeln. Wie ein Baum.
Wir, Kumaruara kommen vom Volk der Kumarú, von dem Baum, der als Kumaruzeiro bekannt ist,
der ein starker, widerstandskräftiger Baum ist und heilende Früchte schenkt.
Also, Kumaruara kommt vom Ursprung des Kumarú (Tonkabohnenbaum)
was starkes Volk bedeutet, widerstandsfähig und Volk der Heilung.
Ich bin Naldino Kumaruara, Schamane des Dorfes Muruary,
das sich in der Region des Unteren Tapajós befindet,
wo ich geboren wurde und aufgewachsen bin.
Aber diese Geschichte kommt davor!
Das Dorf Muruary ist ein sehr altes Dorf, so wie kein anderes dieser Region.
Sogar schon vor der Kolonisierung lebten unsere Vorfahren hier.
In der Zeit meiner Großeltern und meiner Eltern versiegte der Igarapé-Flussarm,
weil einige Stammesangehörige ohne Weisheit und Respekt die Mutter der Quelle töteten.
Es war die einzige Quelle mit Wasser, wo man ein Bad nehmen konnte,
kochen, Maniokmehl zubereiten konnte. Schließlich mussten wir weg von dort.
Also zogen die Familien hinunter ans Ufer des Flusses Tapajós, ins Dorf Solimões.
Andere gingen nach Santarém und nach Alter do Chão.
Und hier im Dorf blieb niemand während dieser Zeit.
Meine Großmutter hatte all das Wissen um die Region von Mururay.
Sie kümmerte sich um alle spirituellen Angelegenheiten, während sie dort lebte.
Und bevor sie starb, rief sie meine Eltern zu sich und sagte, dass einer ihrer Enkel ihre Gabe erben werde.
Aber sie sagte nicht, wer es sei.
Ich begann zu hören, begann die Dinge zu sehen wohin ich ging und träumte sehr viel.
Es war meine Mutter die wahrnahm, dass ich die Gabe geerbt hatte.
Ich hatte ich viele Probleme in meinem Leben.
Gesundheitliche Probleme, hatte sehr starke Kopfschmerzen.
Meine Beziehungen liefen nicht gut und ich verwickelte mich in Streitigkeiten.
Dies wurde immer stärker.
Also, machte ich mich auf die Suche danach, woran das lag.
Meine Mutter war die Person, mit der ich begann zu reden.
Aber ich wusste nicht, dass es um meine Spiritualität ging.
Damals traf ich Luana Kumaruara, die heute meine Gefährtin des Kampfes und des Lebens ist.
Ich begann mich der indigenen Bewegung anzuschließen.
Dies war der Ort und die Zeit, als ich begann meine Gabe zu verstehen und ein Heilungsprozess begann.
Dort fand ich auch Menschen, die die gleiche Gabe hatten wie ich.
Eine sehr wichtige Person in diesem Moment war der Schamane
Paulinho Borari, den ich durch Luana kennengelernt hatte.
Bevor ich ihn gekannt habe, hatte ich schon von ihm gehört, ihn auf Fotos gesehen und auch mit ihm geträumt.
Und als wir uns kennen lernten, hat er sich um mich gekümmert und die Dinge fingen an sich zu lichten in meinem Leben.
Und ich durfte andere Pajés kennen lernen, wie den Verwandten Nato Tupinambá.
Die Verwandte Margarete Maytapú und den Verwandten Raimundo Munduruku.
In dieser Zeit, setzten wir uns, die Familien von Mururay,
alle Alten sowie die Jüngeren zusammen
und sprachen über unsere Geschichte.
Und entschieden, dass es wichtig war, dass wir zurück
in unser altes Dorf ziehen müssen.
Neben der politischen Organisation entschieden wir auch,
wer die Anführer sein würden.
Aber bevor wir die Anführer wählten,
hatte ich ich hier und da schon unterschiedliche Tätigkeiten gemacht.
Weil mein spiritueller Teil dies verlangte.
Nach einem Ritual, das ich im Dorf durchgeführt hatte,
nahmen die Verwandten war, dass ich eine Kraft besaß.
Sie entschieden, dass ich der Schamane sein sollte.
Wir Indigenen haben unsere eigene Spiritualität.
Sie liegt in der Natur und verzaubert uns.
Ich bitte jetzt um Erlaubnis sprechen zu dürfen,…
Die Zauberer sind wie wir,
sie sind Indigene und waren auch mal Schamanen.
Sie haben großes Wissen über viele Dinge.
Sie sind Geister des Lichts, die kommen um zu helfen,
um zu segnen, zu schützen und uns zu leiten.
Sie leben schon sehr lange auf dieser Erde,
lange vor jeder weißen Zivilisation.
In unserem Gebiet findet immer noch Kolonisierung statt,
sehr stark sogar.
Sie kam mit der Kirche, die ein großes Massaker verursachte.
Das, was unser Volk am meisten getötet hat, waren keine Schusswaffen,
sondern das Auslöschen unserer Geschichte.
Unserer Spiritualität,
und was wir wirklich sind.
Die Kirche hatte eine fundamentale Auswirkung, wie sich die Gedanken der Verwandten verändert haben.
Vor dem Auftreten der Kirche gab es schon Schamanen, die spirituelle Führer waren.
Sie kümmerten sich um das ganze Land.
Und ließen die Verwandten sich nicht distanzieren von ihren Ursprüngen und ihrer Spiritualität.
Der Pajé ist eine Person, die mit einer Gabe geboren wird.
Er ist ein Vater, eine Mutter, ein Psychologe ein Lehrer und Mediziner.
Er ist ein Führer, der dir Ratschläge gibt, an denen du dich orientieren kannst,
damit sich alle wohlfühlen und auch das Territorium.
Und grundlegend auch des Geistes.
Diese Gabe des Heilens von der ich spreche,
geht nicht nur um Segnung, um Anleitung, um Rituale zu eröffnen und zu beenden oder große Reden zu schwingen:
es gibt etwas anderes.
Die Gabe des Heilens, kommt aus dem Reich unserer Vorfahren unserer indigenen Kultur.
Es ist eine Segnung, eine Verantwortung die Tupã gibt.
Du wählst nicht: du wirst schon mit etwas geboren.
Die indigene Bewegung der politischen Organisation im unteren Tapajós entstand aus dem „Schamanentum“
Nach dem Tode des Schamanen Laurelino,
der vom Volk der Kumarú war und im Dorf
Takuara lebte, beim Volk der Munduruku.
Also, das bedeutet, dass wir wiedererkennen müssen,
uns auf den Ort zurückbesinnen müssen, wo der Kampf und der Geist beieinander sind.
Deshalb gibt es diesen Kontakt mit den anderen Schamanen.
Wir haben eine Gruppe gegründet und
beginnen über diese Situation zu sprechen.
Und kommen sogleich zum Verständnis: die Bewegung muss stärker werden.
Und dieses Erstarken beginnt mit dem Geist.
Unser Körper und das Haus unserer Seele: beide müssen sich vereinen.
Schließlich, sobald wir alle den starken Geist in uns tragen,
werden wir keine Einschränkung mehr haben, wir werden bereit sein, um unser Territorium zu verteidigen.
Der Geist kommt zuerst…
Und wir, die Anführer des Heilens, haben die Verantwortung dafür, dass dies passiert.
Ich wünsche mir, dass das Schamanentum respektiert und verstanden wird,
dass dies die Bewegung erstarkt im Kampf
um die Verteidigung unseres Landes.
Damit die Verwandten verstehen werden, wer sie sind,
damit sie an diesem Ort sein können.
Und was sie tun müssen, um dort bleiben zu können.
Denn dies wird den Menschen helfen, die Natur zu schützen, ihr Leben und ihre Kultur.
Was mich glücklich macht, ist dass ich anderen helfen kann, mit einer Gabe, die mir Gott gegeben hat.
Ich ich werde kämpfen, solange ich hier bin.
Denn man lebt nicht ewig auf dieser Erde.
Und mein Kampf wird das wert sein, was ich für andere hinterlasse, die nach mir kommen werden.
Dies ist der wirkliche Sieg des Kampfes.“

Naldino Kumaruara, Dezember 2022, wortgetreu aus dem Portugiesischen übersetzt von Hannes

Anmerkung Hannes: Der spirituellen Entwicklung der Menschen wird in westlichen Gesellschaften keinerlei Raum gegeben. Die rein funktional gesunde Bedeutung des Bürgers findet allmählich ein Ende und wird schließlich zum Zerfall der westlichen zivilisatorischen Kultur führen.

Jetzt Spenden! Stichwort „Kumaruara“