Wenn die Verteidigung des Rechts auf Nahrung zu einem Verbrechen wird
Der paraguayische Staat handelt als Vergeltung für die Einforderung grundlegender Rechte des Volkes der Ayoreo, wie das Recht auf Leben, auf Nahrung und auf Wasser, in einem irregulären Verfahren, das Menschenrechte und ratifizierte internationale Verträge verletzt.
Im August 2024 wurde das Departement Boquerón im paraguayischen Chaco zum Umwelt- und Gesundheitsnotstand erklärt. Waldbrände. Dürre. Zerstörte Ernten. Ausgetrocknete Wasserquellen. Dichter Rauch.
64 Ayoreo-Familien der Gemeinschaft 2 de Enero waren von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen.
Am 16. August trafen Mitarbeitende des Nationalen Notstandssekretariats (SEN) mit 61 Lebensmittelpaketen in einer Gemeinschaft mit 64 Familien ein. Drei Familien wären leer ausgegangen.
Ein Gemeindevorsteher, Asuté (die höchste Ayoreo-Autorität), anerkannt durch die staatliche Resolution Nr. 1521/2011, weigerte sich, eine Lieferung anzunehmen, die drei Familien zurückgelassen hätte.
Das Drängen der SEN-Mitarbeitenden sowie ihre überhebliche Haltung, ohne Genehmigung Fotos von den Betroffenen zu machen, führten dazu, dass die SEN-Mitarbeitenden vom gemeinschaftlichen Eigentumsland verwiesen wurden.
Nach diesem legitimen Protest kehrte die SEN am folgenden Tag zurück und lieferte die 64 Lebensmittelpakete.
Dennoch übt der Staat Vergeltung für diese Forderungen nach grundlegenden Rechten wie dem Recht auf Leben, Nahrung und Wasser aus – in einem irregulären Verfahren, das Menschenrechte und ratifizierte internationale Verträge verletzt.
Mehr als anderthalb Jahre später sehen sich drei Ayoreo-Personen einem Strafverfahren gegenüber. Schwere Nötigung. Beschädigung von Gütern öffentlichen Interesses. Störung des öffentlichen Friedens. Alles nur, weil sie während einer Klimanotlage Lebensmittel eingefordert haben. Dies stellt zugleich eine Vergeltungsmaßnahme gegen die Gemeinschaft wegen ihrer Verteidigung der in Isolation lebenden Ayoreo-Gruppen im Gebiet Faro Moro dar.
Dies ist kein Einzelfall. Es ist ein Muster der Kriminalisierung indigener Führungspersönlichkeiten im Chaco. Und es geschieht, während der Staat seiner Verpflichtung nicht nachkommt, die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte des Ayoreo-Volkes zu gewährleisten.
INICIATIVA AMOTOCODIE, 22.04.2026 Übersetzung: Bernd Wegener
