
Im aktuellen Wintersemester 2025/26 gab Steffen Keulig, ehemaliger 1. Vorsitzende von RdN, an der Leuphana Universität Lüneburg ein Projektseminar mit dem Titel „Digitale Bewegtbildformate in der Entwicklungszusammenarbeit“. Im Seminar, an dem 35 Studierende teilgenommen haben, wurden trans- und interdisziplinäre Kompetenzen der Videoproduktion mit Bezug zur Medienanalyse vermittelt. Anhand vorhandenem Videomaterials erstellten die Studierenden sogenannte Reels (Kurzvideos) und versahen sie mit „call-to-action“ Elementen. Journalistisch sollte der Frage nachgegangen werden, welche umwelt- und menschenrechtlichen Bedrohungsszenarien stehen Indigene Völker im globalen Süden gegenüber und welche digitalen Bewegtbildformate können NGO’s im Rahmen ihrer Entwicklungszusammenarbeit nutzen, um zivilgesellschaftliche Veränderungen auszulösen; und welches Format (Doku/Reel) in der audiovisuellen Kommunikation kann in Zeiten von YouTube, Instagram & Co eine größere Medienwirkung entfalten? Zudem sollte sich kritisch mit der algorithmusbasierten Kommunikation auf Social-Media-Plattformen wie Facebook, Instagram und TikTok auseinandergesetzt werden.

Ziel war die Beherrschung grundlegender Methoden der Videoproduktion sowohl im medial-konzeptionellen als auch im audio-visuellen Bereich. Dazu gehören die journalistische Erfassung eines Themas, das Kennenlernen filmischer Gestaltungsmittel auf Basis medienwissenschaftlicher Aspekte, die Erarbeitung eines Konzepts, das Management der Projektphasen sowie das Erlangen von Sozialkompetenzen im Teambildungsprozess, um in kooperativer Verantwortung das Projekt erfolgreich abzuschließen. Zudem sollten auch die Grenzen zwischen wissenschaftlicher Medientheorie und nicht akademischer Umwelt erkannt und reflektiert werden. Durch die Verzahnung von theoretisch-erarbeiteten Wissen über die Situation Indigener Völker und die kommunikative Umsetzung mit Bewegtbildformaten sowie deren praktische Einbindung in Social-Media-Plattformen erfolgte der Transfer von der Theorie in die Praxis.
Wenn wir von Transformation und Verantwortung sprechen, dann sollten auch klassische Ansätze der Entwicklungszusammenarbeit kritisch hinterfragt und gegebenenfalls verantwortungsbewusst verändert werden. Gerade Indigene Völker, mit ihren sozio-ökonomischen Besonderheiten, stellen eine große kulturelle Vielfalt dar. Zudem ist ihr Recht auf Selbstbestimmung, die Kontrolle über ihre natürlichen Ressourcen in ihren Territorien in der UN-Erklärung für die Rechte Indigener Völker anerkannt. Wissenschaftlicher Inhalt war auch der kommunikativ begleitete Perspektivenwechsel von der theoretischen Erarbeitung eines Themas im Spannungsfeld von handlungs- und rezipientenorientierter (User-orientierter) Medienwirkungsforschung. Darüber hinaus sollte der Frage nachgegangen werden, ob audiovisuelle Kommunikation, die Filmsprache mit ihren manipulativen Elementen, nur Fiktion oder auch ein Abbild von Realität bzw. Wirklichkeit sein kann.

Durch die Recherche über die Situation von verschiedenen Indigenen Völkern und möglichen Ansätze für eine zielgerichtete Entwicklungszusammenarbeit erarbeiteten sich die Studierenden selbstständig Kompetenzen in diesen Bereichen und sollten diese in der Praxis durch entsprechende Bildauswahl und formulierte Kampagneninhalte auf Social-Media-Plattformen von Rettet die Naturvölker e.V. kommunizieren. Im Zuge der Konferenzwoche an der Leuphana Universität Lüneburg von 24.02. – 26.02.2026 stellen die Studierenden nun ihre Forschungsergebnisse der Öffentlichkeit vor. Die in Kooperation mit FdN behandelten Themen und Völker waren West Papua, Orang Asli (Malaysia), Hadzabe (Tansania), Ayoreo und Nivacle (Paraguay) gewesen.

