Filmbeitrag „Paraguays unbekannte Schätze“- kritische Anmerkungen (I)

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Der von ARTE gesendete zweiteilige Filmbeitrag zeigen dem Zuschauer ein sehr positives Bild von dem südamerikanischen Binnenstaat („bietet wahres Paradies für die Biodiversität, bietet das Zeug zum Hitchampion Südamerikas“). Leider ist die Situation eine andere, als das in der Sendung durch die Filmemacher vermittelte verklärte Bild. Paraguay ist durchaus `Hitchampion` – aber trauriger Weise nur in Bezug auf die Vernichtung seiner Naturwaldgebiete. Der Staat hat sich leider zum `Weltrekordhalter` in der Vernichtung seiner Urwälder entwickelt.

Paradiese und Mysterien“ – Dieser Filmbeitrag (ca. 45 Min.) berichtet über Ost-Paraguay.

Anmerkungen zum Itaipú-Wasserkraftwerk: Das Itaipú-Kraftwerk in der Nähe des Grenzüberganges von Foz do Iguacú nach Ciudad del Este in Paraguay wird gepriesen als „7. Weltwunder der Ingenieurskunst“, denn es liefert „saubere erneuerbare Energie“. Seit seiner Errichtung sperrt ein gewaltiger Damm aus Beton und Stahl den Grenzfluss Río Paraná ab. Dieses zweitgrößte Wasserkraftwerk der Erde liefert Strom bis in den nördlichen Chaco und versorgt auch die mennonitischen Kolonien.

Foto: Stahlhoefer/ Wikipedia; gemeinfrei

Im Filmbeitrag ist Lob zu hören, aber kein Wort zu negativen Fakten, die mit dem gigantischen Bau verwoben sind. Dieser Staudamm veränderte das Ökosystem des Rio Parana (und seine Umgebung) vollständig. Fischwanderungen, endemische Arten, Selbstreinigungskräfte, Sauerstoffverhältnisse wurden beeinträchtigt bis hin zur Veränderung der regionalen Niederschläge.

Der 170 km lange Stausee von Itaipú hat ausgedehnte Land- und Waldgebiete für immer verschlungen. Der Río Paraná und seine Nebenflüsse sind angeschwollen von den gewaltigen Wassermassen. Die Guayra-Wasserfälle sind zerborsten und ruhen für immer auf dem Grund des Stausees. Einige Tausend Indigene verloren ihre Heimat. Insgesamt mussten etwa 40.000 Menschen – vor allem Angehörige der Avá-Guarani – ihre Heimat verlassen. Heimat, das für sie mehr war, als nur ein Ort zum Wohnen, sondern ihre Tekokas – Orte des Seins, dutzende von Quadratkilometern groß, mit verschwimmenden Grenzen und dem Selbstverständnis von Mobilität und Eigenständigkeit und Kompetenz ihren Alltag – Feldbau, Sammeltätigkeit, Jagd, Fischfang, Changa (Anm.: Taglohnarbeit für den Patron), Hausbau, Familienleben praktisch ohne Hilfe von außen und ohne autoritative Steuerung zu gestalten. Diese Lebensräume, die nicht nur genutzt, sondern auch mit kultureller und religiöser Bedeutung ausgestattet sind, wurden rigoros ausgelöscht.

Lebensräume von Jaguar, Affen, Pecaris, Pampashirschen und den hier zuvor lebenden Menschen ertranken in der zerstörerischen Gigantomanie.  – Keine Worte davon im Filmbericht, dafür lobenswerte Worte in Richtung Nachhaltigkeit.

Anmerkungen zur Reserva Natural del Bosque Mbaracayú: Dasvon derNaturschutzorganisation Foundación Moisés Bertoni verwaltete Biosphärenreservat liegt nicht in dem vom Filmsprecher erwähnten Departamento „Alto Parana, wo nur noch zwölf Prozent des ursprünglichen Waldbestandes erhalten sind, da der Rest Rodungen und Bränden zum Opfer fiel.“

Die Reserva Natural del Bosque Mbaracayú ist mit seinen644km² das letzte `größere` Waldareal im Departamento Canindeyu (etwas `größer` mit 730 km² ist nur der Nationalpark San Rafael (Departamento CaazapáDepartamento Itapúa)). In allen übrigen Verwaltungsbezirken (Departamentos) im Ostteil des Landes existieren keine nennenswerten Naturwaldgebiete/Urwälder mehr. Ein überaus trauriger Fakt, denn in Bezug auf Canindeyu, besaß dieses im Jahr 1945 noch auf 99 % seiner Fläche tropischen immergrünen Tieflandregenwald (Atlantischer Regenwald).

Seit 1940 bis 2016 wurden 90 % der Waldökosysteme im Osten des Landes vernichtet. Die Atlantischen Regenwälder dieser feuchtwarmen tropischen Klimazone wichen Viehfarmen und Ackerflächen für Monokulturen (z.B. Soja). Damit schwanden Lebensräume für Pflanzen, Tiere und für die letzten in den Wäldern lebenden Indigenen, unter ihnen die Aché sowie Mbya-Guarani (die sich als „Bewohner der Wälder“ bezeichnen).

Dunkelgrüne Flächen: Naturwald; hellere grüne Flächen: Agrarland

Anmerkungen zum Wasserfall „Saltos del Monday“: Der Wasserfall ist sehenswert. Zur Information „die umliegenden Wälder beherbergen eine erstaunliche Vielzahl von Pflanzen und Tieren“ kann man bei Google Earth sehen, dass es dort keine größeren Naturwälder auf paraguayischem Territorium mehr gibt. Diese sind erst auf der östlichen Seite des Rio Parana in der argentinischen Provinz Misiones zu finden.

Foto: Hugo Diaz Lavigne/ ´Wikipedia; gemeinfrei

Titelbild: Amanbays geschundene Landschaft (Foto: Bernd Wegener)