Erneuter indonesischer Militärangriff im Hochland von West-Neuguinea

Der an das weitaus bekanntere Papua-Neuguinea grenzende Westteil der zweitgrößten Insel Neuguinea provoziert alle paar Jahre internationalen Schlagzeilen, wenn mal wieder eine unbekannte Ethnie “entdeckt” wird oder amerikanische Professoren von Papua-Rebellen der OPM (Organisasi Papua Merdeka (OPM; deutsch Organisation für ein freies Papua) getötet werden, wie 2002 geschehen. Dabei ist Westneuguinea seit vielen Jahren der Schauplatz eines blutigen Krieges mit dem Indonesien seine Macht behauptet. In diesem Krieg sind über 100.000 Todesopfer zu beklagen, zumeist Angehörige der Urbevölkerung.

 Bis 1962 war der Westteil der Insel holländische Kolonie. In jenem Jahr übernahmen indonesische kolonialen Streitkräfte völkerwidrig die Macht, obwohl dort sowohl aus ethnografischer, linguistischer als auch anthropologischer Sicht eine völlig andere Kultur beheimatet ist, die nichts gemein hat mit dem indonesischen Kulturraum. Nach schweren Kämpfen, bei denen tausend unschuldige Menschen starben, gelangten die Bewohner Westpapuas von einer Kolonialmacht unter eine noch schlimmere Kolonialmacht. Sie hatten nie die Gelegenheit bekommen, unabhängig zu werden. Sie wurden mit Gewalt dazu gedrängt, die indonesische Herrschaft anzuerkennen. Speziell der ‚Act of Free Choice‘ im Jahre 1969 spielt hier eine entscheidende Rolle. Damals wurden eintausend aus den Stammesführern Westneuguineas ausgesuchte Wahlmänner von Indonesien für die Wahl „trainiert“. Unter finanzieller Einflussnahme und Androhung von Folter / Tötung fiel das Wahlergebnis einstimmig zu Gunsten Indonesiens aus. Die UNO unterstützte den Betrug. Der Act of Free Choice ist deshalb in Westneuguinea als Act of No Choice bekannt. Indonesien hat kein Interesse Inselwestteil zu entlassen, denn es geht um seine annektierten rohstoffreichste Provinzen, die von internationalen Konzernen ausgebeutet werden und somit für den Staat wichtige Finanzquellen sind.

Hinzu kommt eine gezielte indonesische Migrationspolitik, die darauf abzielt, dass die und es ist Urbevölkerung zur Minderheit wird, wenn sie es nicht schon ist. Laut Census von 2002 waren von den 2,93 Millionen Menschen nur noch ca. 52 % Papua/Melanesier, 48 % dagegen indonesische Immigranten. 1971 hatten die indigenen Papua und Melanesier noch einen Bevölkerungsanteil von 96 %.

 Das Hissen der Morgensternfahne bestraft Indonesien mit Gefängnis (Foto: RdN)

Seit der Besetzung unterdrückt Indonesien brutal den Freiheitswillen der Papua und Melanesier. Es ist der vergessene Krieg gegen die Stammesvölker, von der die Allgemeinheit kaum erfährt und die Vereinten Nationen „blind“ sind. Die deutliche Blutspur zieht sich nun über ein halbes Jahrhundert durch den Westteil Neuguineas, wie auch die jüngste Information des Westpapua Netzwerkes vom 30.10.2018 zeigt:

„Das indonesische Militär soll am 1. Oktober 2018 Angriffe mit Hubschraubern im Landkreis Puncak Jaya im Hochland Westpapuas durchgeführt haben. Dabei wurden mehrere Ziele im Distrikt Tingginambut angegriffen. Die Luftangriffe wurden von Bodentruppen unterstützt. Örtliche Menschenrechtsaktivisten berichteten, dass die indonesische Armee Explosivgeschosse wie Granaten und Raketen verwendet haben sollen. Bei dem Angriff wurden Berichten zufolge mindestens fünf Zivilisten getötet, darunter eine schwangere Frau und mindestens zwei Minderjährige sowie zwei Mitglieder des bewaffneten Widerstands (TPN-OPM). Die Menschen in dem betroffenen Gebiet flohen in den umliegenden Dschungel, um Schutz vor den Streitkräften zu suchen. Menschenrechtsverteidiger vermuten, die tatsächliche Zahl der Todesopfer könnte höher sein. Es ist weiter unklar wie viele Opfer bei der Flucht in den Wald verletzt oder getötet wurden.
Der Befehlshaber des XVII. Kommando Cenderawasih, Oberst Muhammad Aidi, bestätigte die Militäroperation in einer Pressemitteilung. Eine Militärpatrouille habe ein Basislager des örtlichen TPN-Führers Goliath Tabuni entdeckt. Den Widerstandskämpfern sei es gelungen, das Lager zu verlassen und sich in den Dschungel zurückzuziehen. Laut Oberst Aidi beschlagnahmten seine Männer eine Schusswaffe, Munition, Mobiltelefone, eine Kamera, eine Morgensternflagge und verschiedene Dokumente.
Eine Mobilisierung zusätzlicher Militärtruppen des 1753 Alvita Nabire Regiments wurde am 30. September 2018 auch aus Enarotali (Landkreis Paniai) gemeldet. Die Truppen sollen am 1. Oktober 2018 militärische Übungen durchgeführt haben. Menschenrechtsaktivisten vermuten, dass die Militäroperation in Puncak Jaya und die militärischen Übungen Teil eines groß angelegten Militäreinsatzes gegen die TPN-OPM im zentralen Hochland sein könnte und weitere Aktionen bevorstehen könnten.“

Jacob Prai (Free Papua Movement): Um unser Recht auf Freiheit zu bekommen, werden wir kämpfen. Alle Menschen dieser Erde haben das Recht auf Selbstbestimmung und Unabhängigkeit. Den Menschen von Westpapua wird nicht erlaubt, das Recht auf Selbstbestimmung auszudrücken, da wir durch den indonesischen Kolonialismus unterdrückt werden.“

Bernd Wegener

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