Archiv der Kategorie: Amazonas

Neue Kooperation mit Amazonasvolk

Die Entwaldung des Amazonas schreitet in erschreckendem Maße voran. Indigene Völker sind laut verschiedenen Studien die wichtigsten Verbündeten um diesen Kahlschlag zu stoppen. Schon seit jeher setzt sich RdN für die Landrechte indigener Gemeinschaften ein. Egal ob in Malaysia oder Brasilien, ein indigenes Volk wird alles tun, um seine eigene Existenzgrundlage zu bewahren. Wir helfen dem Amazonasvolk der Kumaruara dabei ihr Territorium zu demarkieren. Um den Prozess zu beschleunigen haben wir nun direkt einen Kooperationsvertrag mit der bekanntesten indigenen Vertreterin der Kumaruara im unteren Tapaiósgebiet geschlossen.

Kumaruara Dorf

Luana Kumaruara ist eine indigene Anführerin und Frauenrechtlerin, die ihren Verwandten aus 4 verschiedenen Dörfern am Tapajos Fluss hilft eine Perspektive für deren Zukunft zu sichern. Die studierte Anthropologin setzt sich für die Rechte der Kumaruara ein und nutzt geschickt die sozialen Medien, um auf Missstände wie PL 191/20 hinzuweisen. Bodenschätze sollen nach diesem Gesetzesentwurf nun auch von Nichtindigenen in deren Gebiet gefördert werden können. Dieses zerstörerische Gesetz wird derzeit im brasilianischen Kongress diskutiert.

Luana Kumaruara

Wie mir Luana im Whatsappchat mitteilte sind die Waffen der Kumaruara nun nicht mehr Pfeil und Bogen, sondern Kameras und Schulungen über den Umgang mit sozialen Medien.

Die Demarkation des Gebietes der Kumaruara ist derzeit aufgrund der Covid19 Pandemie zum Erliegen gekommen, wird aber sobald es möglich ist wieder aufgenommen. Wie im Kooperationsvertrag angegeben, möchten wir die Kumaruara in folgenden Belangen unterstützen:

  • Kampf um die Rechte am eigenen Land
  • Unterstützung zum Erhalt der Kultur der Kumaruara
  • Unterstützung zum Erhalt der eigenen Sprache (Nheengatu)
  • Vorbeugung der Covid19 Pandemie

Abholzung in Amazonien am Tapajosfluss:

Wie in der Grafik zu erkennen ist wurde im Zeitraum 1984 – 2020 schon sehr viel tropischer Regenwald auf der rechten Seite des Rio Tapajós für die Sojagewinnung abgeholzt. Auf der linken Seite befinden sich die 4 Kumaruara Dörfer, welche noch von intaktem Regenwald umgeben sind.

Helfen Sie uns jetzt indem Sie Mitglied bei RdN werden oder eine Spende unter dem Stichwort: “Kumaruara” tätigen. Sie unterstützen nicht nur eine vom aussterben bedrohte nachhaltige Kultur, sondern auch eines der wichtigsten Ökosysteme dieser Erde.

Kumaruara bauen kollektives Haus für die Maniokmehlernte, Video:Lua Kumaruara
Das ganze Dorf hilft mit. Bild:Lua Kumaruara

Amazonas-Landkauf im Regenwald

Huni Kuin- ein kleines Indianervolk soll seine Heimat finden

Ein wirklich vielversprechendes und bisher gut laufendes Projekt ist der Landkauf im Regenwald Brasiliens für die Huni Kuin. Die Huni Kuin gehören der Pano-Sprachfamilie an. und zu dem Stamm gehören ca.12000 bis 15000 Menschen. Sie leben im Grenzland zwischen Brasilien und Peru. Ihr Name bedeutet so viel wie „Echte Menschen“ oder „Menschen mit Gebräuchen“. Ihre Nachbarn gaben ihnen andere Bezeichnungen, die heute immer noch populär sind: KaxinawáCashinahuaKaschinawaKashinawaCaxina-uás. Kaxinawá z. B. bedeutet „Kannibalen“, „Fledermausmenschen“ oder „Menschen, die nachts unterwegs sind“ und wird von den Huni Kuin als beleidigend ablehnt[1].

Die ersten Berichte von Reisenden in die Region des Oberen Rio Juruà identifizierten die Zuflüsse Muru, Humaitá sowie Iboicu des Rio Envira (der in den Juruà einmündet) als den ursprünglichen Lebensraum dieser Menschen. Die Huni Kuin hatten das rechte Ufer dieser Flüsse besetzt. Ihnen gegenüber auf den linken Flussufern siedelten die aruaksprachigen Kulina (McCALLUM 1989, TOCANTINS 1979).

Genozid an den Huni Kuin

Schon im 18. Jahrhundert sollen Kolonialherren Expeditionen in die Region entsandt haben, um Sklaven zu erbeuten. Der eigentliche Genozid jedoch schlug mit dem Kautschuk-Boom zu, dessen Hysterie 1888 seinen Höhepunkt hatte. Damals im späten 19. Jahrhundert stießen die Menschenjäger der Gummibarone auch ins Juruà-Gebiet vor, um die Indianer als Latexzapfer zu verschleppen. Waren doch die Indigenen diejenigen, die sich am besten im Regenwald auskannten. Doch welcher Indianer verlässt schon freiwillig seine Gemeinschaft, seine Felder, um Rohgummi zu zapfen? Deportationen und Gemetzel brachten etliche Waldstämme nahe der Ausrottung. Mord, Folter und Auspeitschungen waren allgegenwärtig, um die Ureinwohner gefügig zu machen. Nach 1911 flaute der Kautschuk-Boom in Brasilien und Peru infolge der südostasiatischen Kautschukplantagen ab, um während des 2. Weltkrieges noch einmal aufzuflackern (MÜLLER 1995[2]).

Betroffen von diesen grauenhaften Exzessen im ausgehenden 19. Jahrhundert waren auch die Huni Kuin. 40.000 brasilianische Einwanderer waren im Zuge des Kautschukfiebers in der Region des Rio Juruà eingedrungen, im Rio Purus-Gebiet waren es 60.000. Die Huni Kuin wehrten sich mit Raubüberfällen, einige wenige ließen sich jedoch befrieden und als Gummizapfer ausbeuten. Diese missbrauchte der Gummibaron Felizardo für das Massaker an den Papavò-Indianern (1919). Andere Huni Kuin dagene, die zu Zwangsarbeitern gemacht werden sollten, flohen. So auch eine ihrer Gruppen, die sich zunächst im Dschungel verbarg, um dann über die Grenze nach Peru zu gehen, wo sie auch heute noch in der Provinz Loreto ansässig sind. 1946 gaben sie dort ihre verborgene Lebensart als Isolados auf, um Eisenwaren leichter zu erlangen – eine Entscheidung mit profunden Konsequenzen, die heute von ihnen selbst infrage gestellt wird (LAGROU 2004[3]).

Indigene Territorien Bundesstaat Acre (Brasilien)

Masernepidemie durch Forscher

1951 suchte der deutsche Reisende Schultz und seine Lebensgefährtin Chiara die Huni Kuin in Peru auf. Er schrieb (1955): „Insgesamt stießen wir auf acht Dörfer mit einer Bevölkerung zwischen zwanzig und 120 Einwohnern. Wir haben die Gesamtzahl der Kaxinawá-Individuen auf 450 bis 500 geschätzt“.

Infolge dieses Besuchs starben 75 bis 80 % der erwachsenen Bevölkerung an einer Masernepidemie. Die Überlebenden flohen nach Brasilien an die Flüsse Envira und Jordão, wo ihre Verwandten hart für die Gummibosse arbeiteten. Im darauffolgenden Jahr, während der Trockenperiode, entschied sich der größte Teil von ihnen jedoch, zum Rio Curanja nach Peru zurückzukehren, wo sie weder Gummisammler noch deren `Patrone` um sich hatten. All dies wirkte sich in der Folgezeit – im Gegensatz zu Brasiliens Gruppen, wie z.B. der Gemeinschaft von Fronteira – auch auf die Bewahrung der Stammeskultur aus.

„Das Fehlen von bejahrten Personen, die als Erwachsene an einem Dorfleben teilgenommen haben (in Peru), führte dort zu einem allgemeinen Verlust hinsichtlich der kulturellen Kenntnisse, was besonders die Rituale, die Sprache und die materielle Kultur betraf. So wie es keinen Mann und auch keine Frau gab, die sämtliche Gesänge des “Katxanawa” kannten, einem Fruchtbarkeitsritual – oder des “Txirin”, dem Ritual zur Initiation des Kindes, gab es auch keine Frau, die zu weben verstand oder das “Kene Kuni” zeichnen konnte (der Kaxinawá-Stil der geometrischen Zeichnungen). Diese Situation prägte auch den Stolz und das Zugehörigkeitsgefühl jener Gruppe, die viel mehr vom Kodex der brasilianischen Gesellschaft verstand als von ihren eigenen kulturellen Wurzeln. Mit der Ankunft und Eingruppierung der Verwandten aus Peru war man nun allgemein bemüht, das “Wissen der Alten” wieder aufleben zu lassen. Dasselbe war bereits im Dorf Jordão geschehen“ (LAGROU 2004).

MÜLLER (1984)[4] nennt für Brasilien eine Zahl von 1.770 Huni Kuin und 250 für Peru. Neuere Angaben sprechen von 75 Gemeinschaften mit 6.000 Personen, verteilt auf 12 indigene Territorien einschließlich Peru.

Landkauf im Regenwald

RdN unterstützt Living Gaia e.V., die persönlich Kontakte zu den Huni Kuin haben, bei der Finanzierung.

Eigentümer des zu erwerbenden Landes ist der ehemalige Bürgermeister Sr. Melo von Jordao, der dieses Amt dreimal innehatte. Er hat zwei Stücke Land zu verkaufen. In der beigefügten Karte werden sie Siringal Iracema Teil A und Siringal Iracema Teil B genannt. Siringal Iracema Teil A umfasst etwa 9.800 Hektar, wovon etwa 180 ha abgeholzt sind. Siringal Iracema Teil B umfasst etwa 6.800 Hektar, davon sind etwa 160 ha Campo abgeholzt. Der ganze Rest ist Primärwald.

Das Land soll Privateigentum der Huni Kuin werden. Der Preis von 300 RS (60 €) / ha ist im Vergleich zu paraguayischen Immobilien in Bezug zum Kauf von Urwaldland mehr als günstig. Geplant ist der Erwerb der Fläche „B“. Dadurch wird der Verbund der indigenen Gebiete deutlich verbessert, was auch das Anliegen von RdN ist. Für uns ist es sehr wichtig, dass durch den Landerwerb insbesondere auch der Schutz der Isolados Ethnien (= gefährdetste aller Kulturen) verbessert wird, was Agrarbetriebe schon gar nicht gewährleisten, sondern durch ihre Rodungen massiv bedrohlicher wird. Die Sicherung von Land für Indianer tropischer Waldgebiete ist im Sinne unserer Satzung, ebenso wie der Erhalt (oder in diesem Fall mit der zusätzlichen Wiederherstellung/Aufforstung zerstörter Naturwaldflächen auf Rinderweiden).

Das Projekt “Landkauf am Amazonas bringt das Land in den Privatbesitz der Indigenen selbst und schützt vor Ausbeutung. Die Indigenen haben dann einen dauerhaften Lebensraum. Was die Bundes- bzw. staatlichen Indigenen Territorien bisher geleistet haben, ist durch Regierungen, wie der Bolsonaros nicht mehr sicher. Die Reservate befinden sich in staatlichem Besitz und sind jetzt gefährdet.

Das jetzige Luftbild (bing maps) zeigt, dass das in den 1980er Jahren und somit seit vor über drei Jahrzehnten gekaufte Land am Rio Tarauaca als Indigener Privatbesitz bisher kaum sichtbare Naturzerstörungen (Rodungen) hat. Die Huni Kuin haben damit bewiesen, dass sie ihre Regenwaldheimat schützen und nicht wie die brasilianischen Farmer zerstören.

Bitte unterstützen Sie den Landkauf (Stichwort: Huni Kuin).

Gebietskarte: Über dem Land von Sr. Melo in gelbem “Kaxinawa Seringal Independcia” befindet sich das Indigene (private) Land der Huni Kuin. Links davon ebenfalls in Gelb “Kaxinawa Baixo Rio Jordao” und “Kaxinawa Rio Jordao” (= terras indiginas, die der Staat den Indigenas überlassen hat (13 % des brasilianischen Territoriums sind terras indiginas). Dort leben die meisten Huni Kuin der Gemeinde Rio Jordao. Unterhalb Siringal Iracema Teil A von Sr. Melo gibt es ein weiteres Privatgrundstück (Weiß). Unterhalb dieses weißdargestellten Landes und des “Siringal Iracema Teil B”, ist in Gelb das “Alto Tarauaca” (Öffentliches Land), das an Peru grenzt. Dort lebt niemand, es ist alles Primärregenwald und wird auch von unkontaktierten Gruppen genutzt. Das TI Alto Tarauacá  ist ca. 143.000 ha groß und Isolados Habitat, ebenso wie das Grünmarkierte TI Igarapé Taboca do Alto Tarauacá (287 ha, Isolados Habitat).

Zur Situation: Sr. Melo hält auf seinem Privatland noch ca. 100 – 150 Rinder). Es gibt keine Straße dorthin, somit bleibt nur der Rio Jordao (bzw. Helikopter) als Zugangsweg zur Fazenda. In der Regenzeit ist es aber möglich mit Transportbooten auch die Rinder von dort nach Jordao zur Vermarktung zu bringen (4 h Fahrtzeit). Daraus resultiert auch die Chance für den Erwerb, da es für Agrarunternehmen aufgrund fehlender Straßenanbindung nicht erschlossen ist.

Die Huni Kuin sind derzeit davon bedroht, dass die damals demarkierten Gebiete viel zu klein, die Wasser- und Lebensmittelgrundlage immer knapper werden und es um sie herum bzw. auf dem Weg zu ihnen viel Farmland (Rodung, Verunreinigung des Flusses, Zerstörung der umliegenden Flora und Fauna) existiert. Auch hat sich der amtierende Gouverneur von Acre (Parteianhänger Bolsonaros) sehr positiv und euphorisch öffentlich für den Sojaanbau auf den fruchtbaren Böden Acres ausgesprochen.

Die Huni Kuin roden “nur” die Dorfplätze, um möglichst sicher bei Gewittern und Stürmen vor (riesigen) umfallenden Bäumen zu sein. Sie kultivieren auf sog. Hosados Erdnüsse und Maniok.

Mariri-Tanz; Die abgebildeten Fotos von Living Gaia sind sowohl in den Dörfern entlang des Rio Jordao, (Terra Indigenas, offizieller Name: Kaxinawa do baixo Rio Jordao und in den Dörfern entlang des Rio Tarauaca (gekaufter Privatbesitz des dortigen Stammeshäuptlings Sia Huni Kuin in den 80-er Jahren – kein TI sondern Di (Dominial), offizieller Name: Kaxinawa Seringal Independencia) entstanden. Die Bilder von dem Weideland stammen von einem ehemals kleineren, zu verkaufenden Stück Land, sind jedoch vergleichbar von der Rodung für Viehzucht und liegen am Rio Tarauaca, der auf dem Foto auf Seite 36, rechts unten zu sehen ist.

Wie die Gesellschaft für bedrohte Völker in der Zeitschrift FÜR VIELFALT berichtet, gibt es inzwischen auch unter den Huni Kuin Covid-19-Infizierte.


[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Huni_Kuin

[2] Die Amazonasindianer, München 1995

[3] http://www.brasilienportal.ch/kultur/ureinwohner-in-brasilien/indio-voelker-brasiliens/kaxinawa/

[4] Die Indianer Lateinamerikas, ein ethnostatistischer Überblick, Berlin 1984

28 indigene Führer in Lateinamerika ermordet!

Nachfolgend drei der Indigenen, die den Machtinteressen von Wirtschaft und Politik zum Opfer fielen:

Paulo Paulino Guajajara (Guajajara) – BRASILIEN

Der indigene Amazonas-Waldwächter Paulo Paulino Guajajara hatte seinen bevorstehenden Tod, der schicksalhaft am 1. November 2019 eintrat, als einen von fast 130 „Wächtern des Waldes“ oder bewaffneten indigenen Wächtern vorausgesagt. Während Paulino Guajajara mit einem Kollegen, Laércio Souza Silva, Wasser holte, wurde er von bewaffneten Holzfällern in den Nacken geschossen und starb im Wald, während sein Begleiter es schaffte, zu entkommen.

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Die indigenen Wayana in Suriname und die Naturschutz-NGO`s: eine „wahre Liebe“ Geschichte?

Die indigenen Völker der Wayana leben hauptsächlich im Süden Surinams (sie leben auch hinter der Grenze zu Französisch-Guayana und in einem kleinen Gebiet im Norden Brasiliens) auf rund 30.000 km² (3 Millionen acres; Hinweis d. Übersetzers: 3 Mill. acre = 12.138 km² – eine der beiden Zahlenangaben im Originaltext ist falsch!) im tropischen Regenwald. Die gesamte indigene Gruppe der Wayana besteht aus ca. 2.500 Menschen. In Suriname leben sie in drei kleinen Siedlungen am Fluss, nämlich in Kawemhakan, Apetina und Palumeu. In Französisch-Guayana leben sie in acht kleinen Dörfern und im Norden Brasiliens leben sie verstreut mit anderen indigenen Völkern. Die indigenen Wayana in Suriname und die Naturschutz-NGO`s: eine „wahre Liebe“ Geschichte? weiterlesen

Erneute Kontaktierung von Indianern in Brasilien: Wenn man erstmal Kontakt aufnimmt, zerstört man ihr Universum!

Der Tod eines evangelikalen, fundamentalen US-Missionars auf der Insel North Sentinel hatte im November 2018 die dort in freiwilliger Isolation lebenden Indigenen in die internationale Medienwelt katapultiert. Nun kamen wieder `unkontaktierte` Ureinwohner in den Focus der Weltpresse.

Die FUNAI (Fundação Nacional do Índio) – Brasiliens Behörde für die Entwicklung und Umsetzung von Maßnahmen mit Bezug zu indigenen Völkern – hat wiedermal den Erfolg einer `Friedensmission` der gelungenen Kontaktierung von `Isolados` den Medien übergeben. Erneute Kontaktierung von Indianern in Brasilien: Wenn man erstmal Kontakt aufnimmt, zerstört man ihr Universum! weiterlesen