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Huni Kuin – Amazonasindianer im Grenzland Brasilien–Peru

Bernd Wegener Ludwigslust, 14.06.2020

Historie: Die Huni Kuin gehören der Pano-Sprachfamilie an. Ihr Name bedeutet so viel wie „Echte Menschen“ oder „Menschen mit Gebräuchen“. Ihre Nachbarn gaben ihnen andere Bezeichnungen, die heute immer noch populär sind: KaxinawáCashinahuaKaschinawaKashinawaCaxina-uás. Kaxinawá z. B. bedeutet „Kannibalen“, „Fledermausmenschen“ oder „Menschen, die nachts unterwegs sind“ und wird von den Huni Kuin als beleidigend ablehnt[1].

Die ersten Berichte von Reisenden in die Region des Oberen Rio Juruà identifizierten die Zuflüsse Muru, Humaitá sowie Iboicu des Rio Envira (der in den Juruà einmündet) als den ursprünglichen Lebensraum dieser Menschen. Die Huni Kuin hatten das rechte Ufer dieser Flüsse besetzt. Ihnen gegenüber auf den linken Flussufern siedelten die aruaksprachigen Kulina (McCALLUM 1989, TOCANTINS 1979).

Schon im 18. Jahrhundert sollen Kolonialherren Expeditionen in die Region entsandt haben, um Sklaven zu erbeuten. Der eigentliche Genozid jedoch schlug mit dem Kautschuk-Boom zu, dessen Hysterie 1888 seinen Höhepunkt hatte. Damals im späten 19. Jahrhundert stießen die Menschenjäger der Gummibarone auch ins Juruà-Gebiet vor, um die Indianer als Latexzapfer zu verschleppen. Waren doch die Indigenen diejenigen, die sich am besten im Regenwald auskannten. Doch welcher Indianer verlässt schon freiwillig seine Gemeinschaft, seine Felder, um Rohgummi zu zapfen? Deportationen und Gemetzel brachten etliche Waldstämme nahe der Ausrottung. Mord, Folter und Auspeitschungen waren allgegenwärtig, um die Ureinwohner gefügig zu machen. Nach 1911 flaute der Kautschuk-Boom in Brasilien und Peru infolge der südostasiatischen Kautschukplantagen ab, um während des 2. Weltkrieges noch einmal aufzuflackern (MÜLLER 1995[2]).

Betroffen von diesen grauenhaften Exzessen im ausgehenden 19. Jahrhundert waren auch die Huni Kuin. 40.000 brasilianische Einwanderer waren im Zuge des Kautschukfiebers in der Region des Rio Juruà eingedrungen, im Rio Purus-Gebiet waren es 60.000. Die Huni Kuin wehrten sich mit Raubüberfällen, einige wenige ließen sich jedoch befrieden und als Gummizapfer ausbeuten. Diese missbrauchte der Gummibaron Felizardo für das Massaker an den Papavò-Indianern (1919). Andere Huni Kuin dagene, die zu Zwangsarbeitern gemacht werden sollten, flohen. So auch eine ihrer Gruppen, die sich zunächst im Dschungel verbarg, um dann über die Grenze nach Peru zu gehen, wo sie auch heute noch in der Provinz Loreto ansässig sind. 1946 gaben sie dort ihre verborgene Lebensart als Isolados auf, um Eisenwaren leichter zu erlangen – eine Entscheidung mit profunden Konsequenzen, die heute von ihnen selbst infrage gestellt
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wird (LAGROU 2004[3]).

Indigene Territorien Bundesstaat Acre (Brasilien)

1951 suchte der deutsche Reisende Schultz und seine Lebensgefährtin Chiara die Huni Kuin in Peru auf. Er schrieb (1955): „Insgesamt stießen wir auf acht Dörfer mit einer Bevölkerung zwischen zwanzig und 120 Einwohnern. Wir haben die Gesamtzahl der Kaxinawá-Individuen auf 450 bis 500 geschätzt“.

Infolge dieses Besuchs starben 75 bis 80 % der erwachsenen Bevölkerung an einer Masernepidemie. Die Überlebenden flohen nach Brasilien an die Flüsse Envira und Jordão, wo ihre Verwandten hart für die Gummibosse arbeiteten. Im darauffolgenden Jahr, während der Trockenperiode, entschied sich der größte Teil von ihnen jedoch, zum Rio Curanja nach Peru zurückzukehren, wo sie weder Gummisammler noch deren `Patrone` um sich hatten. All dies wirkte sich in der Folgezeit – im Gegensatz zu Brasiliens Gruppen, wie z.B. der Gemeinschaft von Fronteira – auch auf die Bewahrung der Stammeskultur aus.

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„Das Fehlen von bejahrten Personen, die als Erwachsene an einem Dorfleben teilgenommen haben (in Peru), führte dort zu einem allgemeinen Verlust hinsichtlich der kulturellen Kenntnisse, was besonders die Rituale, die Sprache und die materielle Kultur betraf. So wie es keinen Mann und auch keine Frau gab, die sämtliche Gesänge des “Katxanawa” kannten, einem Fruchtbarkeitsritual – oder des “Txirin”, dem Ritual zur Initiation des Kindes, gab es auch keine Frau, die zu weben verstand oder das “Kene Kuni” zeichnen konnte (der Kaxinawá-Stil der geometrischen Zeichnungen). Diese Situation prägte auch den Stolz und das Zugehörigkeitsgefühl jener Gruppe, die viel mehr vom Kodex der brasilianischen Gesellschaft verstand als von ihren eigenen kulturellen Wurzeln. Mit der Ankunft und Eingruppierung der Verwandten aus Peru war man nun allgemein bemüht, das “Wissen der Alten” wieder aufleben zu lassen. Dasselbe war bereits im Dorf Jordão geschehen“ (LAGROU 2004).

Landrechte Huni Kuin Brasilien/Peru Dörfer Huni Kuin Isolados-Angriff

MÜLLER (1984)[4] nennt für Brasilien eine Zahl von 1.770 Huni Kuin und 250 für Peru. Neuere Angaben sprechen von 75 Gemeinschaften mit 6.000 Personen, verteilt auf 12 indigene Territorien einschließlich Peru.

Landkaufprojekt: RdN unterstützt Living Gaia e.V., die persönlich Kontakte zu den Huni Kuin haben, bei der Finanzierung.

Eigentümer des zu erwerbenden Landes ist der ehemalige Bürgermeister Sr. Melo von Jordao, der dieses Amt dreimal innehatte. Er hat zwei Stücke Land zu verkaufen. In der beigefügten Karte werden sie Siringal Iracema Teil A und Siringal Iracema Teil B genannt. Siringal Iracema Teil A umfasst etwa 9.800 Hektar, wovon etwa 180 ha abgeholzt sind. Siringal Iracema Teil B umfasst etwa 6.800 Hektar, davon sind etwa 160 ha Campo abgeholzt. Der ganze Rest ist Primärwald.

Das Land soll Privateigentum der Huni Kuin werden. Der Preis von 300 RS (60 €) / ha ist im Vergleich zu paraguayischen Immobilien in Bezug zum Kauf von Urwaldland mehr als günstig. Geplant ist der Erwerb der Fläche „B“. Dadurch wird der Verbund der indigenen Gebiete deutlich verbessert, was auch das Anliegen von RdN ist. Für uns ist es sehr wichtig, dass durch den Landerwerb insbesondere auch der Schutz der Isolados Ethnien (= gefährdetste aller Kulturen) verbessert wird, was Agrarbetriebe schon gar nicht gewährleisten, sondern durch ihre Rodungen massiv bedrohlicher wird. Die Sicherung von Land für Indianer tropischer Waldgebiete ist im Sinne unserer Satzung, ebenso wie der Erhalt (oder in diesem Fall mit der zusätzlichen Wiederherstellung/Aufforstung zerstörter Naturwaldflächen auf Rinderweiden).

Dieser Landkauf im Amazonasgebiet Land, um es in den Privatbesitz der Indigenen selbst zu bringen, soll vor Ausbeutung schützen und den Indigenen einen dauerhaften Lebensraum bieten. Was die Bundes- bzw. staatlichen Indigenen Territorien bisher geleistet haben, ist durch Regierungen, wie der Bolsonaros nicht mehr sicher. Die Reservate befinden sich in staatlichem Besitz und sind jetzt gefährdet.

Das jetzige Luftbild (bing maps) zeigt, dass das in den 1980er Jahren und somit seit vor über drei Jahrzehnten gekaufte Land am Rio Tarauaca als Indigener Privatbesitz bisher kaum sichtbare Naturzerstörungen (Rodungen) hat. Die Huni Kuin haben damit bewiesen, dass sie ihre Regenwaldheimat schützen und nicht wie die brasilianischen Farmer zerstören.

Bitte unterstützen Sie den Landkauf (Stichwort: Huni Kuin).

Gebietskarte: Über dem Land von Sr. Melo in gelbem “Kaxinawa Seringal Independcia” befindet sich das Indigene (private) Land der Huni Kuin. Links davon ebenfalls in Gelb “Kaxinawa Baixo Rio Jordao” und “Kaxinawa Rio Jordao” (= terras indiginas, die der Staat den Indigenas überlassen hat (13 % des brasilianischen Territoriums sind terras indiginas). Dort leben die meisten Huni Kuin der Gemeinde Rio Jordao. Unterhalb Siringal Iracema Teil A von Sr. Melo gibt es ein weiteres Privatgrundstück (Weiß). Unterhalb dieses weißdargestellten Landes und des “Siringal Iracema Teil B”, ist in Gelb das “Alto Tarauaca” (Öffentliches Land), das an Peru grenzt. Dort lebt niemand, es ist alles Primärregenwald und wird auch von unkontaktierten Gruppen genutzt. Das TI Alto Tarauacá ist ca. 143.000 ha groß und Isolados Habitat, ebenso wie das Grünmarkierte TI Igarapé Taboca do Alto Tarauacá (287 ha, Isolados Habitat).

Zur Situation: Sr. Melo hält auf seinem Privatland noch ca. 100 – 150 Rinder). Es gibt keine Straße dorthin, somit bleibt nur der Rio Jordao (bzw. Helikopter) als Zugangsweg zur Fazenda. In der Regenzeit ist es aber möglich mit Transportbooten auch die Rinder von dort nach Jordao zur Vermarktung zu bringen (4 h Fahrtzeit). Daraus resultiert auch die Chance für den Erwerb, da es für Agrarunternehmen aufgrund fehlender Straßenanbindung nicht erschlossen ist.


Die Huni Kuin sind derzeit davon bedroht, dass die damals demarkierten Gebiete viel zu klein, die Wasser- und Lebensmittelgrundlage immer knapper werden und es um sie herum bzw. auf dem Weg zu ihnen viel Farmland (Rodung, Verunreinigung des Flusses, Zerstörung der umliegenden Flora und Fauna) existiert. Auch hat sich der amtierende Gouverneur von Acre (Parteianhänger Bolsonaros) sehr positiv und euphorisch öffentlich für den Sojaanbau auf den fruchtbaren Böden Acres ausgesprochen.


Die Huni Kuin roden “nur” die Dorfplätze, um möglichst sicher bei Gewittern und Stürmen vor (riesigen) umfallenden Bäumen zu sein. Sie kultivieren auf sog. Hosados Erdnüsse und Maniok.

Mariri-Tanz; Die abgebildeten Fotos von Living Gaia sind sowohl in den Dörfern entlang des Rio Jordao, (Terra Indigenas, offizieller Name: Kaxinawa do baixo Rio Jordao und in den Dörfern entlang des Rio Tarauaca (gekaufter Privatbesitz des dortigen Stammeshäuptlings Sia Huni Kuin in den 80-er Jahren – kein TI sondern Di (Dominial), offizieller Name: Kaxinawa Seringal Independencia) entstanden. Die Bilder von dem Weideland stammen von einem ehemals kleineren, zu verkaufenden Stück Land, sind jedoch vergleichbar von der Rodung für Viehzucht und liegen am Rio Tarauaca, der auf dem Foto auf Seite 36, rechts unten zu sehen ist.

Wie die Gesellschaft für bedrohte Völker in der Zeitschrift FÜR VIELFALT berichtet, gibt es inzwischen auch unter den Huni Kuin Covid-19-Infizierte.




  1. https://de.wikipedia.org/wiki/Huni_Kuin
  2. Die Amazonasindianer, München 1995
  3. http://www.brasilienportal.ch/kultur/ureinwohner-in-brasilien/indio-voelker-brasiliens/kaxinawa/
  4. Die Indianer Lateinamerikas, ein ethnostatistischer Überblick, Berlin 1984

Impfstoff gegen Zivilisation

Liebe Freunde von Rettet die Naturvölker,

in diesen Tagen fragt man sich, wie diese Pandemie schließlich enden wird. Leider können wir ihnen das Ende nicht voraussagen.
Jedoch können wir ihnen mit größter Wahrscheinlichkeit sagen, was nicht passieren wird:
Die Krise wird nicht mit dem Verständnis enden, dass sie zu 100% von der “zivilisierten” Menschheit verursacht wurde. Das Virus dank Globalisierung in kürzester Zeit auf der ganzen Welt verbreitet wurde.
Die Lebensraumzerstörung wird ungehindert weitergehen und das das nächste Virus steht in den Startlöchern,

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Tod eines US-Amerikaners bringt Indiens „Isolados“ erneut in internationale Schlagzeilen

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist North-Sentinel-1024x877.jpg

Es war nicht das erste Mal, dass North Sentinel internationale Aufmerksamkeit fand. Am 15. Februar 1991 gelang es einer indischen Expedition, dass 15 Ureinwohner – die man mangels konkreterer Kenntnisse als „Sentinelesen“ bezeichnete – kurzzeitig an Bord des Schiffes kamen. Endlich konnte Indien stolz verkünden: „Das letzte feindselige Volk ist befriedet! Nach über 10.000 Jahren öffnet sich das mysteriöse Sammler- und Jägervolk mit ihrem prähistorischen Lebensstil der Welt.“ Tod eines US-Amerikaners bringt Indiens „Isolados“ erneut in internationale Schlagzeilen weiterlesen

Chile: Indigene beklagen Vertreibung durch Lithium-Abbau

von Blickpunkt Lateinamerika, 08. Juni 2018

In Chile, dem nach Australien zweitgrößten Lithiumproduzenten der Erde, beklagen indigene Anwohner der Lithiumförderregion Atacama den drohenden Verlust ihrer Heimat durch eine beschlossene Verdreifachung der Fördermengen bis 2030. „Wir erleben die Umweltzerstörung durch die Ansiedlung verschiedener Unternehmen auf unseren Territorien“, zitiert das Onlineportal „EL Desconcierto“ Manuel Salvatierra vom „Rat der Atacama-Völker“ (CPA) Mitte dieser Woche. Treibende Kraft hinter der Nachfragesteigerung ist der weltweite Boom bei Elektroautos.

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Informationen über Naturvölker in Australien/Ozeanien 2005 – 2011

AUSTRALIEN: MIRRAR ABORIGINES, KAKADU NP UND URANLAGER JABILUKA

von FdN / IC, 19. April 2011

Die Angehörigen des Stammes der Mirarr haben ihren Widerstand gegen das milliardenschwere Uranlager Jabiluka erneuert und sich  dafür ausgesprochen, die Lagerstätte aus Solidarität mit der Bevölkerung von Japan zu einem Teil des als UNESCO-Weltkulturerbe geführten Kakadu-Nationalparks zu erheben. In einem aktuellen Brief an UN-Generalsekretär Ban Ki Moon (PDF) bedauert Yvonne Margarula, die „Elder“ der Mirrar, dass Uran aus der bereits in Betrieb befindlichen Uranmine „Ranger“ in Kakadu höchstwahrscheinlich auch im schwer angeschlagenen Atomkraftwerk Fukushima gefunden würde. Informationen über Naturvölker in Australien/Ozeanien 2005 – 2011 weiterlesen