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St. Vincent: Kalinago erleiden neues Desaster

Die Kalinago sind St. Vincents ärmste Bevölkerungsschicht. Nach dem verlorenen II. Kariben Krieg gegen die englische Kolonialmacht (1795-97), dem Genozid von Baliceaux und dem Raub ihres Stammeslandes, blieb ihnen nur das im Norden der Insel gelegene unwirtliche Vulkangebiet des La Soufrière zum Überleben. In der Ödnis nördlich von Morne Ronde (Karibikseite) und (Old) Sandy Bay am Atlantik wagten sie den Neuanfang.

Die Corona-Pandemie hat auch die Kalinago nicht verschont. Die Pandemie erreichte St. Vincent am 20. März 2020. Bis zum 5. April 2021 wurden im Land (~ 111.000 Einwohner) 1.764 Infektionen gemeldet (10 Todesfälle). Die medizinische Versorgung wird als eher unterdurchschnittlich eingestuft (https://laenderdaten.info/Amerika/St-Vincent-Grenadinen/gesundheit.php). Die Indigene Bevölkerung (Kalinago, Garifuna) zählt ca. 3.000 Personen, somit ~ 2,7 % der Gesamtbevölkerung (nach Corona-Sterbestatistik = 40 %).

Dazu Chief Augustine Sardo Sutherland (Foto) am 10. April: “Der zweite Corona-Ausbruch stoppte unseren Plan, James Lovell die Kalinago-Sprache in den Schulen unterrichten zu lassen, alles kam zum Stillstand, als die Schule schloss und der Unterricht virtuell wurde. In unserem Stamm sind vier Personen gestorben und im Moment haben wir eine Naturkatastrophe mit unserem Vulkan, er bricht gerade aus.”

Der La Soufrière ist ein aktiver Vulkan, der regelmäßig ausbricht. Dokumentiert sind die historischen Ausbrüche von 1718, 1812, 1814 und 1902. Bei Letzteren starben 1.680 Menschen. Auch der Siedlungsort Morne Ronde fiel dem unberechenbaren Vulkan zum Opfer, ebenso wie (Old) Sandy Bay. Die überlebenden Kalinago gründeten deshalb an der Bucht südlich davon das Dorf New Sandy Bay. Der nächste Vulkanausbruch folgte 1979. 17.000 Menschen wurden evakuiert. Nun ist es wieder passiert.


Blick auf den La Soufrière (1.234 m); seine Fläche – ca. 1/7 der 389 km²-Insel – reicht von der Karibischen See (Westen) bis fast zum Atlantik (Osten)       Foto: Bernd Wegener

Am Morgen des 9. April kam es zur erneuten Eruption. Bis zu 10 km stieß die Aschewolke in die Höhe, begleitet von herausgeschleuderten Steinen, die in den naheliegenden Siedlungen einschlugen. Besonders betroffen sind die Kalinago-Dörfer[1]. Liegen sie doch alle im Nahbereich des Vulkans. Es sieht schlimm dort aus. Häuser sidn zerborsten, alles ist mit einer grauen Ascheschicht bedeckt. Fotos dazu aus ihrem Hauptdorf New Sandy Bay sind zu sehen unter: https://ttweathercenter.com/ 2021/04/10/la-soufrieres-volcanic-ash-cause-buildings-in-sandy-bay-st-vincent-to-collapse/


Wenige Stunden nach Beginn der explosiven Eruptionen
Foto: @_ItsMeOni on Twitter, La Soufrière eruption, 9 AprilCC BY-SA 4.0

Der gesamte Norden wurde Evakuierungsgebiet. 20.000 Menschen sind aus dem Katastrophengebiet in sichere Orte gebracht worden. Der starke Ascheregen hatte die Evakuierung schwierig gestaltet. Der Argyle International Airport wurde geschlossen.

Bernd Wegener


[1] New Sandy Bay Village, Sion Hill, Old Sandy Bay, Point Village, Owia, Fancy

[:de]Kalinago Worrier Canoe ein Traum wird Wirklichkeit[:]

[:de]


von Bernd Wegener, 2017

Der Dokumentarfilm berichtet über die Kalinago der Karibikinsel St. Vincent und ihrem Projekt Pirogue-Krieger-Kanu, dem ersten seetüchtigen Boot, das seit über 300 Jahren wieder gebaut wurde. Das Kanu ist 24 Fuß lang, 3 Fuß breit und kann bis zu 20 Krieger aufnehmen.

Das Projekt wurde durch die gemeinsame Unterstützung von Rettet die Naturvölker e.V. (RdN), verschiedene Regierungsabteilungen von St. Vincent and the Grenadines und Stammesmitgliedern realisiert (ca. 7 ½ Minuten).

RdN dankt marketfilm productions Steffen Keulig für die Realisierung des Films.[:]

Kanubau der Kalinago

Unterstützung “Kalinago Tribe”, St. Vincent und Grenadinen Augustine Sardo Sutherland (www.sardoscs.com) ist Angehöriger der indigenen Minderheit und Chief vom “Kalinago Tribe”, die versucht einiges aus dem Lebensstil der Vorfahren wieder zu beleben.

Dazu Augustine im März 2013: „Ziel ist der Aufbau eines Caiou. Dieses wird benötigt, um traditionelles Handwerk und Nahrungsmittel erlebbar zu machen. Wir möchten zudem ein traditionelles Kanu bauen, brauchen dafür aber Mittel, um einen großen Baum in den Bergen zu erwerben.

Caicou2

Bau des Caiou, Dez. 2013 (PDF  0,86 MB) Fotos: Caiou  Projekt Kanubau, Jan. 2014 (PDF 1,6 MB) Fotos Kanu Projekt
 

Grobfertigung im Regenwald

17.03.2015: Greetings from the Kalinago Tribe. The Canoe is finished. Best regards and many thanks. Sardo

Kanu fertig

Der Kalinago Tribe konnte 2016 die letzte Etappe des Kanu-Projektes erfolgreich meistern. Am 21. März 2016 wurde das Boot getestet und erfolgreich die “Jungfernfahrt” von Lawman`s Bay nach Kingstown absolviert. Der örtliche Fernsehsender hat darüber berichtet: SVGTV NEWS MARCH 21 2016 – YouTube

Augustine Sardo Sutherland, Chief vom Kalinago Tribe, hat nachstehend aufgeführten LINK gesendet. Er zeigt den Beginn des Kanu-Projektes mit der Auswahl des Baumes tief in den Gebirgsregenwäldern seiner Heimat. Rettet die Naturvölker hat das Projekt gefördert, stellt es doch die Wiedergewinnung traditionellen Handwerks dar und leistet einen Bildungsbeitrag, nicht nur für Kinder- und Jugendliche. Mit derartigen Kanus haben einst seine Vorfahren den Archipel der Kleinen Antillen besiedelt. Sardo schrieb: in this link you will find the first part of the documentary that i did Karibbean Kollective – Posts

Die Kalingo kämpfen für ihr Dorf

Chief Sardo, März 2017: „Im vergangenen Jahr wurden wir  gebeten, bei der Errichtung des Kariben-Dorfes am Flughafen Argyle lnternational den niederländischen Archäologen der UNI Leiden zu helfen. Seitens der Kalinago besteht der Wille, unbedingt dieses Dorf zu managen. Doch der Minister für Kultur und Tourismus sperrt sich.” Protestbrief