Alle Beiträge von Arne Salisch

Kampagne für die Manjui in Paraguay

Landvermessung des Manjui Landes

FÜR DIE RÜCKGABE DES LANDES DER MANJUI

Eine Petition von unserem Partner Tierra Libre über Change.org für die Rückgabe des Landes der Manjui. Bitte unterzeichnet!

https://www.change.org/p/personas-por-la-restituci%C3%B3n-territorial-manjui

Die lautlose ethnische Säuberung des Volks der Manjui

Das zur Sprachfamilie der Mataguayo gehörende Manjui-Volk, das während des Chaco-Krieges stark vom Völkermord der bolivianischen Armee betroffen war und nun auf allen Ebenen durch die Vernachlässigung des paraguayischen Staates ernsthaft bedroht ist, hat sein angestammtes Territorium im Gebiet des Oberen Pilcomayo und im Nordwesten des Zentralen Chaco, im Departamento Boquerón (Paraguayischer Chaco). Für die Landrückgabe zugunsten der Manjui und um auf die lautlose ethnische Säuberung des Volkes der Manjui aufmerksam zu machen, hat unser Kooperationspartner Tierra Libre diese Kampagne ins Leben gerufen. Die Rrodungen im Trockenwald Gran Chaco für Rinderweiden bedroht alle indigenen Gruppen in Paraguay.

Das Volk der Manjui ist derzeit hauptsächlich in drei Gemeinden verbreitet, in denen es in seiner ethnischen Zusammensetzung die Mehrheit bildet: in Wonta – Santa Rosa, in der Manjui-Gemeinde von San Agustín (im Gebiet von Pedro P. Peña) und in der landlosen städtischen Gemeinde Abizais (am Eingang der Picada 500 in Mariscal Estigarribia), außerdem bildet es Minderheitengruppen in verschiedenen Gemeinden des Nivaĉle-Volkes.

Die Situation der Verlassenheit und Vernachlässigung dieser Bevölkerung durch die staatlichen Institutionen ist total. Das Manjui-Volk umfasst in Paraguay eine Bevölkerung von ungefähr 900 Menschen. Obwohl diese als ethnische, kulturelle und Sprachgemeinschaft ernsthaft vom Verschwinden bedroht sind, hatten sie bis zum Jahre 2018 keinen einzigen Quadratmillimeter an Landeigentum in ihrem angestammten Territorium. Ihr geringfügiges Landeigentum ging auf eine Initiative des Apostolischen Vikariats des Pilcomayo der katholische Kirche zurück, ein Umstand, der den Schluss zulässt, dass die Vernachlässigung dieses Volkes durch den Staat eine Kontinuität vom Chaco-Krieg bis heute aufweist.

Die ungünstigen Lebensbedingungen, die sich in diesem Zusammenhang historisch für das Volk der Manjui ergeben haben und bis heute anhalten, lassen sich insbesondere dadurch kennzeichnen, dass es infolge seiner territorialen Situation permanent demografisch unter Druck gesetzt wurde, woraus sich die extreme Armut und die seit viel Jahrzehnten anhaltend extrem hohe Kindersterblichkeit erklärt. In diesem Kontext ist auch die Aggressivität der “Familienplanungs“-Politik des Gesundheitsministeriums angesiedelt, die in Wirklichkeit einer staatlichen Geburtenkontrolle gleichkommt und in diesem ethnischen Kontext mit einer klaren genozidalen Konnotation verbunden ist, aber fast die einzige existierende Form staatlicher Präsenz vor Ort darstellt. Daher kann festgestellt werden, dass die öffentliche Politik im paraguayischen Chaco historisch und strukturell auf das Verschwinden dieses Volkes ausgerichtet gewesen ist, wofür das Instituto Paraguayo del Indígena – INDI die Hauptverantwortung trägt.

Der Kampf um Landzugang des Manjui-Volkes gegen die öffentliche Institutionen

Andererseits hat die Zusammenarbeit zwischen dem Manjui-Volk und der NRO Tierra Libre seit dem Jahr 2015 dazu geführt, dass nach drei Jahren intensiver Bemühungen, innerhalb derer zahlreiche Hindernisse öffentlicher Institutionen zu überwinden waren, der indigenen Manjui-Gemeinde Wonta – Santa Rosa schließlich mehr als 12.000 Hektar übereignet werden konnten. Dieser Landzugang erfolgte erneut ebenfalls durch nicht-staatliche Organisationen, in diesem Falle durch die “To the New Tribes“ – Mission, die ihr Landeigentum inzwischen an diese Gemeinde übertragen hat, bzw. der nicht-staatlichen Organisation Tierra Libre, die entsprechende Verhandlungen mit den diesbzgl. relevanten Behörden geführt hat, um diese Landübertragung zu ermöglichen.

Manjui Territorium mit dem 2018 erworbenen Grundstück (Wonta) sowie das von 1998 (INDI)

Die letzte und schwerwiegendste aller Situationen, die das Manjui-Volk derzeit durchmacht, bezieht sich auf ein Grundstück von 38.406 Hektar, dessen Eigentümer das Instituto Paraguayo del Indígena – INDI ist, welches es im Jahre 1998 mit der ausdrücklichen vertraglichen Verpflichtung erworben hat, es an die indigene Gemeinde Wonta – Santa Rosa zu übertragen, in der der größte Teil des in seinem traditionellen Territorium verbliebenen Manjui-Volkes lebt. Daher muss INDI als ein Komplize der Akteure angesehen werden, die in dieses Grunstück eingedrungen sind, um darauf Vieh zu züchten und ein illegales Holzkohleunternehmen zu betreiben, insbesondere deshalb, weil diese Behörde angesichts der irregulären und privaten Aneignung staatlichen Landes jahrzehntelang völlig untätig gewesen ist, was im folgenden ausführlich beschrieben wird.

Landkauf durch eine öffentliche Einrichtung ohne Übertragung an die Begünstigten: der Fall der indigenen Gemeinschaft Manjui Wonta – Santa Rosa.

Das Instituto Paraguayo del Indígena (INDI) hat 1998 ein Grundstück mit einer Fläche von 38.406 Hektar im Chaco (Departement Boquerón, Distrikt Mariscal Estigarribia) erworben. Beim Kauf der 38.406 Hektar durch das INDI war als einziger Nutznießer dieses Landes die Manjui-Gemeinde Wonta – Santa Rosa vorgesehen; so ist es im Kaufvertrag kategorisch festgelegt; eine Eigentumsübertragung an diese indigene Gemeinde hat aber nie stattgefunden und ie Nicht-Umsetzung des Prozesses der Eigentumsübertragung ist mit zahllosen Unregelmäßigkeiten, Vergehen und Verbrechen verbunden, an denen verschiedene staatliche Institutionen beteiligt sind.

Das INDI und andere staatliche Institutionen als Komplizen von Vergehen und Verbrechen gegen die indigene Gemeinde Manjui Wonta – Santa Rosa

Im Datenbereitstellungsbericht des Nationalen Katasteramts – SNC wird Frau Alice Muwo verwitwete Benin als Eigentümerin aufgeführt und erst kürzlich (infolge der Intervention von Tierra Libre) ist die diesbgl. Registrierung in dem vom SNC im Internet bereitgestellten Imformationsystem als “Information mit eingeschränkter Einsehbarkeit“ klassifiziert und deren Zugang blockiert worden.

Im Bericht über den rechtlichen Status des Grundstücks der Generaldirektion de Öffentlichen Registers für Liegenschaften heißt es wörtlich, dass das “Verfahren zur Wiederherstellung des Registereintrags unter Berücksichtigung der Artikel 112 bis 117 einzuleiten sind”. Trotz der Tatsache, dass dieselbe Institution über Beweise –die sie inzwischen sogar in einem von der Staatsanwaltschaft eingeforderten diesbzgl. Bericht vorgelegt hat– dahingehend verfügt, dass die Immobilie 1998 an das INDI verkauft wurde, wird im genannten Bericht angegeben, dass eine Registrierung zugunsten des INDI nicht vorhanden ist.

Infolgedessen wurde eine Beschwerde beim Ministerium für Öffentlichkeit – Ministerio Público eingereicht, wodurch die Zustellung eines staatsanwältlichen Antrag an das INDI und andere beteiligte Institutionen dahingend ausgelöste wurde, dass die entsprechenden Unterlagen zu übergeben sind, aber bis heute ist das INDI die einzige Institution, die nicht auf den Staatsanwaltsantrag geantwortet bzw. keine Unterlagen übergeben hat und diesen Antrag auch in keiner Weise gefördert, sondern die Arbeit der Staatsanwaltschaft, im Gegenteil, von Anfang an nur behindert hat.

Dies bedeutet, dass die Registrierung dieses Landeigentums gelöscht wurde und der Inhaber (INDI) daher den ursprünglichen Titel für die erneute Registrierung vorlegen muss, eine Situation, die sich insofern nachteilig auf die Manjui-Gemeinde Wonta – Santa Rosa ausgewirkt hat, als der Kauf dieses Grundstücks mit der Verpflichtung des INDI erfolgt war, es an die Gemeinde zu übertragen. Diese Ereignisse haben bereits jetzt einen äußerst skandalösen Präzedenzfall erzeugt, da das Instituto Paraguayo del Indígena – INDI gemäß seiner Statuten ja gerade die öffentliche Instanz darstellt, die dem Schutz der indigenen Völker Paraguays verpflichtet ist.

Rechtliche Widrigkeiten: eine Klage zwecks faktischer In-Besitznahme gegen ein vom Staat durch das Instituto Paraguayo del Indígena erworbenes Land

Das INDI wurde aufgefordert, einen Prozess, d.h. straf- und zivilrechtliche Schritte, zur Aufhebung des Gerichtsurteils zugunsten einer faktischen In-Besitznahme durch Dritte zu unternehmen, da die kriminelle Vereinigung, die die oben genannten Verbrechen und Verbrechen begangen hat, juristisch zur Rechenschaft gezogen werden muss; denn diese kriminelle Vereinigung hat Eigentumstitel und Dokumente mit falschen Angaben vorgelegt und im Jahr 2017 einen Prozess zur faktischen In-Besitznahme durch ein Gericht auf der Grundlage eines falschen Titels erwirkt (der dafür verantwortliche Richter wurde inzwischen offiziell suspendiert), daher muss rechtlich gegen Alice Muwo verwitwete Benin, die ehemalige Eigentümerin eines Teiles der 38.406 Hektar, vorgegangen werden, die seit 1998, dem Jahr, in dem das INDI das fragliche Land erworben hat, nicht mehr Eigentümerin des Grundstücks ist.

Die dahinter stehende kriminelle Vereinigung hat außerdem auf der Grundlage von falschen Dokumenten beim MADES (Ministerium für Umwelt und Nachhaltige Entwicklung) einen Antrag auf Erlangung einer Umweltgenehmigung gestellt, der von MADES ohne größere Hindernisse rechtswidrig bewilligt worden ist.

Tierra Libre hat das INDI wiederholt aufgefordert, die Aufhebung des Urteils des Prozesses zur faktischen In-Besitznahme des fraglichen Grundstücks einzuleiten, da es völlig illegal ist, dass Staatseigentum faktisch in Besizt genommen wird, aber das INDI hat diesbezüglich nicht gehandelt.


Tierra Libre forderte das INDI auch auf, unverzüglich die Umweltstrafklage und entsprechende Verfahren gegenüber MADES einzuleiten, um eine weiter Abholzung sowie die Vernichtung von Wäldern sowie die Produktion von Holzkohle auf den 38.406 Hektar zu verhindern, die dem INDI und der Manjui-Gemeinde Wonta – Santa Rosa gehören, denn es ist das INDI, das die rechtliche und moralische Verpflichtung hat, das Staatseigentum zugunsten der indigenen Bevölkerung zu schützen. Das Grundstück wurde von einem Holzkohleunternehmen und von mehreren Viehzüchtern okkupiert, was dazu führte, dass Tausende von Hektar entwaldet wurden. In einem Zeitraum von mehr als zwei Jahrzehnten hat es vor Ort auch keinerlei Präsenz von Beamten dieser Behörde gegeben, um dieses Eigentum zu schützen, und es existieren auch keine Straf-, Umwelt-, Zivil- oder Verwaltungsbeschwerden seitens dieser staatlichen Institution.

23 Jahre sind vergangen, ohne dass dieses Land an die Gemeinde übertragen wurde, und diese Situation ist ein Skandal und eine Schande für den paraguayischen Staat, wobei das INDI die volle Verantwortung für diese Ereignisse trägt. In Vertretung der Manjui-Gemeinde Wonta – Santa Rosa hat Tierra Libre dem INDI wirkungslos unzählige Schreiben vorgelegt, in denen die Situation mitgeteilt bzw. gemeldet wurde, sowie auch eine entsprechende Beschwerde eingereicht, ohne eine Antwort zu erhalten. Das INDI hat bisher auch nicht direkt interveniert, daher ist diese Behörde infolge des gravierenden Unterlassungstatbestands hinsichtlich der Verteidigung der territorialen Rechte der indigenen Manjui-Gemeinde Wonta – Santa Rosa als ein Komplize der Akteure der oben genannten Vergehen und Verbrechen anzusehen.

Verschiedene Grade der Komplizenschaft staatlicher Institutionen, darunter folgender Behörden, bei diesen Vergehen und Verbrechen:

  • Nationales Katasteramt – SNC: Die Ländereien wurden zunächst im Namen des INDI registriert, erschienen in diesem Eigentumsregister aber später im Namen einer der vorangegangenen Eigentümer, Alice Muwo verwitwete Benin.
  • Generaldirektion für Öffentliche Eigentumsregister: In dieser Behörde ist der Registereintrag zugunsten des INDI verschwunden.
  • Paraguayisches Institut für Indigene: Diese Institution hat sich seit mehr als zwei Jahrzehnten nicht um den Schutz des für die Manjui-Gemeinde erworbenen Landes gekümmert.
  • Justiz: Der für das Municipio Mariscal Estigarribia zuständige Richter hat ein Urteil gefällt, demzufolge für etwa 15.600 der insgesamt 38.406 Hektar private Eigentumsrechte infogen einer bereits bestehenden Landnutzung gewährt wurden, ein abwegiges Urteil, da Staatsland auf diese Weise nicht übertragen werden kann.
  • Ministerium für Umwelt und Nachhaltige Entwicklung – MADES: Diese Institution erteilt einem Antragsteller, der keine gültigen Dokumente besitzt, eine Genehmigung für die Installation von Öfen für die Produktion von Holzkohle auf diesem Land.

Cheq Wong

Indigene Völker Malaysias-bedroht durch Palmöl.

Das kleine Volk der Cheq Wong ist die kleinste der sechs Subethnien der Senoi. Es gibt von ihnen noch knapp 500 Menschen. Sie haben eine eigene Sprache, die zu den Northern Aslian Languages oder auch Jahaic Languages gezählt wird, einer Unterkategorie der austroasiatischen Sprachen. Ursprünglich waren die Cheq Wong Jäger und Sammler. Da ihr Lebensraum, der Regenwald, weitestgehend durch Plantagen zur Gewinnung von Palmöl zerstört ist, leben sie nun marginalisiert in tristen Regierungssiedlungen. Ich traf die Cheq Wong das erste Mal 2015 in so einer Siedlung in Pahang, Malaysia, in der Nähe des geplanten Staudamms Kuala Lipis. Wir brachten ihnen Grundnahrungsmittel, Öl, Reis, Gemüse, da die geringen Mittel, die sie vom Staat erhielten, nicht für die Grundversorgung ausreichten.

Später wurde ich dann zu einer anderen kleinen Siedlung der Cheq Wong gerufen, ein paar Hütten waren es nur, inmitten einer Kautschukplantage. Ich durfte hier an einer schamanischen Heilungszeremonie teilnehmen. Eine Frau, die offensichtlich unter dissoziativen Zuständen litt, wurde auf traditionelle Art von einem Heiler behandelt. Die ganze Gemeinschaft war an der Zeremonie beteiligt, es wurde gesungen, gegessen, getrunken und alle Anwesenden brachten der “Patientin ” große Anteilnahme entgegen.

Nach ein paar Wochen wurden mir ein paar Fotos zugespielt. Anscheinend gibt es noch einige kleine Sippen der Cheq Wong, die versuchen ihr traditionelles Leben beizubehalten. Einen Tagesmarsch von der Zivilisation entfernt findet sich in einem Naturschutzgebiet diese kleine Siedlung. Es ist illegal, dass diese Menschen hier leben. Illegal im eigenen Land, das sie seit mindestens 5000 Jahren besiedeln.

Huni Kuin – Amazonasindianer im Grenzland Brasilien–Peru

Bernd Wegener Ludwigslust, 14.06.2020

Historie: Die Huni Kuin gehören der Pano-Sprachfamilie an. Ihr Name bedeutet so viel wie „Echte Menschen“ oder „Menschen mit Gebräuchen“. Ihre Nachbarn gaben ihnen andere Bezeichnungen, die heute immer noch populär sind: KaxinawáCashinahuaKaschinawaKashinawaCaxina-uás. Kaxinawá z. B. bedeutet „Kannibalen“, „Fledermausmenschen“ oder „Menschen, die nachts unterwegs sind“ und wird von den Huni Kuin als beleidigend ablehnt[1].

Die ersten Berichte von Reisenden in die Region des Oberen Rio Juruà identifizierten die Zuflüsse Muru, Humaitá sowie Iboicu des Rio Envira (der in den Juruà einmündet) als den ursprünglichen Lebensraum dieser Menschen. Die Huni Kuin hatten das rechte Ufer dieser Flüsse besetzt. Ihnen gegenüber auf den linken Flussufern siedelten die aruaksprachigen Kulina (McCALLUM 1989, TOCANTINS 1979).

Schon im 18. Jahrhundert sollen Kolonialherren Expeditionen in die Region entsandt haben, um Sklaven zu erbeuten. Der eigentliche Genozid jedoch schlug mit dem Kautschuk-Boom zu, dessen Hysterie 1888 seinen Höhepunkt hatte. Damals im späten 19. Jahrhundert stießen die Menschenjäger der Gummibarone auch ins Juruà-Gebiet vor, um die Indianer als Latexzapfer zu verschleppen. Waren doch die Indigenen diejenigen, die sich am besten im Regenwald auskannten. Doch welcher Indianer verlässt schon freiwillig seine Gemeinschaft, seine Felder, um Rohgummi zu zapfen? Deportationen und Gemetzel brachten etliche Waldstämme nahe der Ausrottung. Mord, Folter und Auspeitschungen waren allgegenwärtig, um die Ureinwohner gefügig zu machen. Nach 1911 flaute der Kautschuk-Boom in Brasilien und Peru infolge der südostasiatischen Kautschukplantagen ab, um während des 2. Weltkrieges noch einmal aufzuflackern (MÜLLER 1995[2]).

Betroffen von diesen grauenhaften Exzessen im ausgehenden 19. Jahrhundert waren auch die Huni Kuin. 40.000 brasilianische Einwanderer waren im Zuge des Kautschukfiebers in der Region des Rio Juruà eingedrungen, im Rio Purus-Gebiet waren es 60.000. Die Huni Kuin wehrten sich mit Raubüberfällen, einige wenige ließen sich jedoch befrieden und als Gummizapfer ausbeuten. Diese missbrauchte der Gummibaron Felizardo für das Massaker an den Papavò-Indianern (1919). Andere Huni Kuin dagene, die zu Zwangsarbeitern gemacht werden sollten, flohen. So auch eine ihrer Gruppen, die sich zunächst im Dschungel verbarg, um dann über die Grenze nach Peru zu gehen, wo sie auch heute noch in der Provinz Loreto ansässig sind. 1946 gaben sie dort ihre verborgene Lebensart als Isolados auf, um Eisenwaren leichter zu erlangen – eine Entscheidung mit profunden Konsequenzen, die heute von ihnen selbst infrage gestellt
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wird (LAGROU 2004[3]).

Indigene Territorien Bundesstaat Acre (Brasilien)

1951 suchte der deutsche Reisende Schultz und seine Lebensgefährtin Chiara die Huni Kuin in Peru auf. Er schrieb (1955): „Insgesamt stießen wir auf acht Dörfer mit einer Bevölkerung zwischen zwanzig und 120 Einwohnern. Wir haben die Gesamtzahl der Kaxinawá-Individuen auf 450 bis 500 geschätzt“.

Infolge dieses Besuchs starben 75 bis 80 % der erwachsenen Bevölkerung an einer Masernepidemie. Die Überlebenden flohen nach Brasilien an die Flüsse Envira und Jordão, wo ihre Verwandten hart für die Gummibosse arbeiteten. Im darauffolgenden Jahr, während der Trockenperiode, entschied sich der größte Teil von ihnen jedoch, zum Rio Curanja nach Peru zurückzukehren, wo sie weder Gummisammler noch deren `Patrone` um sich hatten. All dies wirkte sich in der Folgezeit – im Gegensatz zu Brasiliens Gruppen, wie z.B. der Gemeinschaft von Fronteira – auch auf die Bewahrung der Stammeskultur aus.

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„Das Fehlen von bejahrten Personen, die als Erwachsene an einem Dorfleben teilgenommen haben (in Peru), führte dort zu einem allgemeinen Verlust hinsichtlich der kulturellen Kenntnisse, was besonders die Rituale, die Sprache und die materielle Kultur betraf. So wie es keinen Mann und auch keine Frau gab, die sämtliche Gesänge des “Katxanawa” kannten, einem Fruchtbarkeitsritual – oder des “Txirin”, dem Ritual zur Initiation des Kindes, gab es auch keine Frau, die zu weben verstand oder das “Kene Kuni” zeichnen konnte (der Kaxinawá-Stil der geometrischen Zeichnungen). Diese Situation prägte auch den Stolz und das Zugehörigkeitsgefühl jener Gruppe, die viel mehr vom Kodex der brasilianischen Gesellschaft verstand als von ihren eigenen kulturellen Wurzeln. Mit der Ankunft und Eingruppierung der Verwandten aus Peru war man nun allgemein bemüht, das “Wissen der Alten” wieder aufleben zu lassen. Dasselbe war bereits im Dorf Jordão geschehen“ (LAGROU 2004).

Landrechte Huni Kuin Brasilien/Peru Dörfer Huni Kuin Isolados-Angriff

MÜLLER (1984)[4] nennt für Brasilien eine Zahl von 1.770 Huni Kuin und 250 für Peru. Neuere Angaben sprechen von 75 Gemeinschaften mit 6.000 Personen, verteilt auf 12 indigene Territorien einschließlich Peru.

Landkaufprojekt: RdN unterstützt Living Gaia e.V., die persönlich Kontakte zu den Huni Kuin haben, bei der Finanzierung.

Eigentümer des zu erwerbenden Landes ist der ehemalige Bürgermeister Sr. Melo von Jordao, der dieses Amt dreimal innehatte. Er hat zwei Stücke Land zu verkaufen. In der beigefügten Karte werden sie Siringal Iracema Teil A und Siringal Iracema Teil B genannt. Siringal Iracema Teil A umfasst etwa 9.800 Hektar, wovon etwa 180 ha abgeholzt sind. Siringal Iracema Teil B umfasst etwa 6.800 Hektar, davon sind etwa 160 ha Campo abgeholzt. Der ganze Rest ist Primärwald.

Das Land soll Privateigentum der Huni Kuin werden. Der Preis von 300 RS (60 €) / ha ist im Vergleich zu paraguayischen Immobilien in Bezug zum Kauf von Urwaldland mehr als günstig. Geplant ist der Erwerb der Fläche „B“. Dadurch wird der Verbund der indigenen Gebiete deutlich verbessert, was auch das Anliegen von RdN ist. Für uns ist es sehr wichtig, dass durch den Landerwerb insbesondere auch der Schutz der Isolados Ethnien (= gefährdetste aller Kulturen) verbessert wird, was Agrarbetriebe schon gar nicht gewährleisten, sondern durch ihre Rodungen massiv bedrohlicher wird. Die Sicherung von Land für Indianer tropischer Waldgebiete ist im Sinne unserer Satzung, ebenso wie der Erhalt (oder in diesem Fall mit der zusätzlichen Wiederherstellung/Aufforstung zerstörter Naturwaldflächen auf Rinderweiden).

Dieser Landkauf im Amazonasgebiet Land, um es in den Privatbesitz der Indigenen selbst zu bringen, soll vor Ausbeutung schützen und den Indigenen einen dauerhaften Lebensraum bieten. Was die Bundes- bzw. staatlichen Indigenen Territorien bisher geleistet haben, ist durch Regierungen, wie der Bolsonaros nicht mehr sicher. Die Reservate befinden sich in staatlichem Besitz und sind jetzt gefährdet.

Das jetzige Luftbild (bing maps) zeigt, dass das in den 1980er Jahren und somit seit vor über drei Jahrzehnten gekaufte Land am Rio Tarauaca als Indigener Privatbesitz bisher kaum sichtbare Naturzerstörungen (Rodungen) hat. Die Huni Kuin haben damit bewiesen, dass sie ihre Regenwaldheimat schützen und nicht wie die brasilianischen Farmer zerstören.

Bitte unterstützen Sie den Landkauf (Stichwort: Huni Kuin).

Gebietskarte: Über dem Land von Sr. Melo in gelbem “Kaxinawa Seringal Independcia” befindet sich das Indigene (private) Land der Huni Kuin. Links davon ebenfalls in Gelb “Kaxinawa Baixo Rio Jordao” und “Kaxinawa Rio Jordao” (= terras indiginas, die der Staat den Indigenas überlassen hat (13 % des brasilianischen Territoriums sind terras indiginas). Dort leben die meisten Huni Kuin der Gemeinde Rio Jordao. Unterhalb Siringal Iracema Teil A von Sr. Melo gibt es ein weiteres Privatgrundstück (Weiß). Unterhalb dieses weißdargestellten Landes und des “Siringal Iracema Teil B”, ist in Gelb das “Alto Tarauaca” (Öffentliches Land), das an Peru grenzt. Dort lebt niemand, es ist alles Primärregenwald und wird auch von unkontaktierten Gruppen genutzt. Das TI Alto Tarauacá ist ca. 143.000 ha groß und Isolados Habitat, ebenso wie das Grünmarkierte TI Igarapé Taboca do Alto Tarauacá (287 ha, Isolados Habitat).

Zur Situation: Sr. Melo hält auf seinem Privatland noch ca. 100 – 150 Rinder). Es gibt keine Straße dorthin, somit bleibt nur der Rio Jordao (bzw. Helikopter) als Zugangsweg zur Fazenda. In der Regenzeit ist es aber möglich mit Transportbooten auch die Rinder von dort nach Jordao zur Vermarktung zu bringen (4 h Fahrtzeit). Daraus resultiert auch die Chance für den Erwerb, da es für Agrarunternehmen aufgrund fehlender Straßenanbindung nicht erschlossen ist.


Die Huni Kuin sind derzeit davon bedroht, dass die damals demarkierten Gebiete viel zu klein, die Wasser- und Lebensmittelgrundlage immer knapper werden und es um sie herum bzw. auf dem Weg zu ihnen viel Farmland (Rodung, Verunreinigung des Flusses, Zerstörung der umliegenden Flora und Fauna) existiert. Auch hat sich der amtierende Gouverneur von Acre (Parteianhänger Bolsonaros) sehr positiv und euphorisch öffentlich für den Sojaanbau auf den fruchtbaren Böden Acres ausgesprochen.


Die Huni Kuin roden “nur” die Dorfplätze, um möglichst sicher bei Gewittern und Stürmen vor (riesigen) umfallenden Bäumen zu sein. Sie kultivieren auf sog. Hosados Erdnüsse und Maniok.

Mariri-Tanz; Die abgebildeten Fotos von Living Gaia sind sowohl in den Dörfern entlang des Rio Jordao, (Terra Indigenas, offizieller Name: Kaxinawa do baixo Rio Jordao und in den Dörfern entlang des Rio Tarauaca (gekaufter Privatbesitz des dortigen Stammeshäuptlings Sia Huni Kuin in den 80-er Jahren – kein TI sondern Di (Dominial), offizieller Name: Kaxinawa Seringal Independencia) entstanden. Die Bilder von dem Weideland stammen von einem ehemals kleineren, zu verkaufenden Stück Land, sind jedoch vergleichbar von der Rodung für Viehzucht und liegen am Rio Tarauaca, der auf dem Foto auf Seite 36, rechts unten zu sehen ist.

Wie die Gesellschaft für bedrohte Völker in der Zeitschrift FÜR VIELFALT berichtet, gibt es inzwischen auch unter den Huni Kuin Covid-19-Infizierte.




  1. https://de.wikipedia.org/wiki/Huni_Kuin
  2. Die Amazonasindianer, München 1995
  3. http://www.brasilienportal.ch/kultur/ureinwohner-in-brasilien/indio-voelker-brasiliens/kaxinawa/
  4. Die Indianer Lateinamerikas, ein ethnostatistischer Überblick, Berlin 1984

Blockade der Temiar

Von Jeff haben wir ein Video über die Blockade der Temiar erhalten. Derzeit leider nur mit englischen Untertiteln verfügbar.

Die Temiar gehören zu den Senoivölkern und besiedeln, verteilt auf die Bundesstaaten Pahang, Perak und Kelantan, die Halbinsel Malakka seit mehr als 5.000 Jahren. Zu ihnen gehören ungefähr 30.000 Menschen.

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Malaysia: Regierungswechsel – Hoffnung für die Urvölker?

Von RdN, 15.05.2018

Das Regierungsbündnis UMNO des Premier Najib ist abgewählt worden. Vorläufiger Ministerpräsident wird Dr. Mahathir Mohammed. Dr. M. – wie er in Malaysia genannt wird – war schon einmal Premierminister. Er hat eigentlich das korrupte System, das zu zerschlagen er jetzt angetreten ist, mit aufgebaut. Der schon 92jährige und erstaunlich rüstige Dr. Mahathir Mohammed wird gefeiert wie ein Popstar. Zeitungen Südostasiens sprechen von einem Tsunami, der über das Land fegt. Malaysia: Regierungswechsel – Hoffnung für die Urvölker? weiterlesen