St. Vincent: Kalinago erleiden neues Desaster

Die Corona-Pandemie hat auch die Kalinago nicht verschont. Die Pandemie erreichte St. Vincent am 20. März 2020. Bis zum 5. April 2021 wurden im Land (~ 111.000 Einwohner) 1.764 Infektionen gemeldet (10 Todesfälle). Die medizinische Versorgung wird als eher unterdurchschnittlich eingestuft (https://laenderdaten.info/Amerika/St-Vincent-Grenadinen/gesundheit.php). Die Indigene Bevölkerung (Kalinago, Garifuna) zählt ca. 3.000 Personen, somit ~ 2,7 % der Gesamtbevölkerung (nach Corona-Sterbestatistik = 40 %).

Dazu Chief Augustine Sardo Sutherland (Foto) am 10. April: “Der zweite Corona-Ausbruch stoppte unseren Plan, James Lovell die Kalinago-Sprache in den Schulen unterrichten zu lassen, alles kam zum Stillstand, als die Schule schloss und der Unterricht virtuell wurde. In unserem Stamm sind vier Personen gestorben und im Moment haben wir eine Naturkatastrophe mit unserem Vulkan, er bricht gerade aus.”

Der La Soufrière ist ein aktiver Vulkan, der regelmäßig ausbricht. Dokumentiert sind die historischen Ausbrüche von 1718, 1812, 1814 und 1902. Bei Letzteren starben 1.680 Menschen. Auch der Siedlungsort Morne Ronde fiel dem unberechenbaren Vulkan zum Opfer, ebenso wie (Old) Sandy Bay. Die überlebenden Kalinago gründeten deshalb an der Bucht südlich davon das Dorf New Sandy Bay. Der nächste Vulkanausbruch folgte 1979. 17.000 Menschen wurden evakuiert. Nun ist es wieder passiert.


Blick auf den La Soufrière (1.234 m); seine Fläche – ca. 1/7 der 389 km²-Insel – reicht von der Karibischen See (Westen) bis fast zum Atlantik (Osten)       Foto: Bernd Wegener

Am Morgen des 9. April kam es zur erneuten Eruption. Bis zu 10 km stieß die Aschewolke in die Höhe, begleitet von herausgeschleuderten Steinen, die in den naheliegenden Siedlungen einschlugen. Besonders betroffen sind die Kalinago-Dörfer[1]. Liegen sie doch alle im Nahbereich des Vulkans. Es sieht schlimm dort aus. Häuser sidn zerborsten, alles ist mit einer grauen Ascheschicht bedeckt. Fotos dazu aus ihrem Hauptdorf New Sandy Bay sind zu sehen unter: https://ttweathercenter.com/ 2021/04/10/la-soufrieres-volcanic-ash-cause-buildings-in-sandy-bay-st-vincent-to-collapse/


Wenige Stunden nach Beginn der explosiven Eruptionen
Foto: @_ItsMeOni on Twitter, La Soufrière eruption, 9 AprilCC BY-SA 4.0

Der gesamte Norden wurde Evakuierungsgebiet. 20.000 Menschen sind aus dem Katastrophengebiet in sichere Orte gebracht worden. Der starke Ascheregen hatte die Evakuierung schwierig gestaltet. Der Argyle International Airport wurde geschlossen.

Bernd Wegener


[1] New Sandy Bay Village, Sion Hill, Old Sandy Bay, Point Village, Owia, Fancy