Ogiek machen gegen ihre mögliche Vertreibung mobil

Mitglieder von FdN haben im Dezember 2009 und Januar 2010 die Ogiek im Mau Wald besucht und wiederholt Hilfestellung gegeben. Bei den Ogiek geht es in diesen Tagen um Alles oder Nichts und sie brauchen dringend Unterstützung um ihren Lebensraum aber auch um sich selbst und ihre Kultur erhalten zu können.

Hintergrund der besorgten Mienen auf den Gesichtern der Ogiek ist eine groß angelegte Offensive der kenianischen Regierung den Mau Wald in seinem letzten Bestand zu retten. Eigentlich alles im Sinne der Ogiek, denn ihnen geht es schon seit vielen Jahrzehnten darum den Wald, der ja ihr Lebensraum und ihre Heimat ist, vor illegalem Holzeinschlag, Verwüstung der Bergtäler und vor ungenehmigten Siedlungen eindringender Gruppen anderer Völker Kenias zu schützen. Nun aber ist zu befürchten, dass mit der neuen Naturschutz-Initiative die Ogiek gleich mit entsorgt werden und der bewaldete Höhenzug des Mau Gebietes mit seinen wichtigen Wasserquellen in ein Gebiet einer Totalschutzzone ohne Menschen umgewandelt wird.

Das Jäger- und Sammlervolk der Ogiek lebt seit undenklichen Zeiten im Mau Wald, der sich 150 bis 250 km nordwestlich der Hauptstadt Nairobi erstreckt. Das Waldgebiet zählt zu Kenias bedeutendsten Wasserreservoir, aus ihm speisen sich u.a. die Flüsse Sondu, Njoro und Mara. Letzterer ist die Lebensader für die Massai Mara, berühmt durch ihren sagenhaften Tierreichtum. Aufgrund der legalen und illegalen Besiedlung des Mau Waldes durch zig Tausende Bantus in den letzten Jahrzehnten, der Umwandlung riesiger Waldgebiete in Weide- und Ackerland trocknen nun immer mehr Flüsse aus, wird das Wasser knapp in Kenia. Diese Bedrohung führte im November 2009 dazu, dass Kenias Regierung begann, die Menschen zwangsweise umzusiedeln. Das ist bei der Bevölkerung äußerst umstritten und schürt Konflikte. Umstritten ist bislang auch, wie mit den Ogiek zu verfahren ist. Noch dürfen sie bleiben. Als Indigenes Volk besitzen sie Rechte auf ihr Land, die durch internationale UN Abkommen eigentlich gesichert sind.

Das makabere an der Situation ist, dass im Mau Wald zeitgleich mit offiziellen Holzkonzessionen durch die Firma Timsales Kahlschlag betrieben wird. Timsales gehört zu Teilen der in Kenia hoch angesehenen Familie Kenyatta. Jomo Kenyatta war Kenias erster Präsident nach der Unabhängigkeit. Seitdem verbindet sich mit dem Namen auch Macht und Einfluss. Wie mächtig die Familie ist, wurde am 15. Januar 2010 klar. An diesem Tag pflanzte der Ministerpräsident Raila Odinga im Kiptunga Gebiet unter dem Motto „Save the Mau“ Bäume. Keine zehn Kilometer davon befinden sich die Kahlschlaggebiete von Timsales. Wie sonst üblich, waren an diesem Tag keine Baumstämme an den Pisten zu sehen. Die hatte man für das Medienereignis vorsorglich abtransportiert. Timesales warb während dieser Pflanzaktion mit einem Informationsstand für seine Holzprodukte. Hinzu kommen die Interessen der kenianischen Wasserkartelle und die mit ihnen einher gehende Politik der Wasserprivatisierung. Mit der Vertreibung der heimischen Bevölkerung aus dem Mau Wald wäre der Weg frei für diesbezügliche Verhandlungen mit dem einzig verbliebenen Partner, nämlich mit der staatlichen Forstbehörde. Und, staatliche Institutionen in Kenia sind bekannt für ihre Korruption.

Premierminister Raila Odinga scheint bislang als Einziger die Rechte der Ogiek anzuerkennen und hebt sich damit positiv von vielen seiner Kabinetts-Kollegen ab, die oft selbst in das weit verbreitete „land-grabbing“ also die illegale Inbesitznahme von Land vergangener Regierungsperioden persönlich involviert sind. Eine Sonderkommission der Regierung hat dies bereits detailliert festgehalten, aber die rechtliche Säuberung konnte aufgrund der politischen Komplikationen gerade in der letzten, politisch turbulenten Zeit noch nicht umgesetzt werden. Dies sollte mit der Einsetzung einer speziellen „task-force“, die den gesamten Komplex behandelte und zukunftsweisende Empfehlungen erarbeitete, anders werden. Aber kaum hatte diese Gruppe von Fachleuten aus Ministerien, der Privatwirtschaft und von Nichtregierungsorganisationen ihre Arbeit aufgenommen, machte sich die starke Hand mancher Politiker wieder bemerkbar, die schon in der Vergangenheit zu oft und zu tief in die Taschen der anderen gegriffen hat.

So sind auch die Ogiek selbst noch untereinander zerstritten, weil Teile ihrer Volksgemeinschaft eben mit den Mächtigen des Landes paktiert hatten und wie so oft für die Zwecke der Land-Barone missbraucht wurden. Daher wurde jetzt eine neue Initiative vorangetrieben, die darauf abzielt, den Ogiek zu helfen sich untereinander zu einigen und gemeinsam als starker Partner in der Erhaltungspolitik um den Mau Forest mitzuhelfen ohne dabei ihre Landrechte aufzugeben. Die Ogiek sind derzeit dabei sich zu konsolidieren und aus ausgewählten Ältesten einen Ogiek Supreme Council zu bilden. Dieser hat das Ziel, die Interessen der Ogiek zu wahren.

Die Freunde der Naturvölker e.V. (FdN) stehen den Ogiek zusammen mit Ecoterra Itl. in dieser Phase der Konsolidierung und der Verteidigung ihrer Rechte bei. Leider kostet das auch Geld, denn es müssen Ältesten-Beratungen stattfinden, die Teilnahme an den Regierungskommissionen gesichert und eigene Workshops organisiert werden. Es müssen Wald-Experten, Ökologen und Juristen eingesetzt und Vorlagen erarbeitet werden, die das langfristige Ziel einer vollständigen Erhaltung und Wiederaufforstung des Mau Waldes unter gleichzeitiger Erhaltung des Lebensraumes für die Ogiek nachhaltig umsetzen lassen.